Full text : Die Frau und die Arbeit

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wenn  auch  ein  großer,  zu  der  Frau,  die  wohl  einen  reichlichen ­
  Nachwuchs  erzeugt,  aber  ihn  nicht  selbst  aufzieht
und  keine  andere  soziale  Arbeit  verrichtet.  Von  dieser
Frau  wieder;  bis  zu  der,  die  nur  wenig  oder  gar  keine
Kinder  hat  und  keinerlei  andere  produktive  Arbeit  leistet,
sondern,  sei  es  als  Frau  oder  Maitresse,  allein  von  der
Ausübung  ihrer  Geschlechtsfunktionen  lebt,  ist  der  Schritt
nur  mehr  ein  kurzer.  Nur  ein  Schritt  weiter  noch  ist  es
zur  Prostituierten,  die  zu  keiner  Art  produktiver  Arbeit
geneigt  ist  und  die  an  Stelle  von  Leben  anerkanntermaßen
Krankheit  und  Tod  erzeugt,  aber  dank  ihrer  geschlechtlichen ­
  Attribute  eine  parasitische  Existenz  führt.  So  riesig
der  Abstand  zwischen  den  zwei  extremen  Typen  dieser
Gruppen  von  Frauen  und  so  scharf  entgegengesetzt  ihre
Stellung  in  der  Welt  ist,  so  besteht  doch  im  praktischen
Leben  keine  scharfe,  klare,  feste  Grenzlinie,  welche  die
eine  Frauentype  von  der:  andern  trennt.  Sie  fließen  ineinander ­
  über  in  feinen,  unmerklichen  Abstufungen.  Und
diese  schiefe  Ebene  unwillkürlich  hinabzugleiten,  das  ist
die  Gefahr,  die  der  Frau  der  zivilisierten  Rassen  besonders ­
  droht.  Indem  sie  von  der  vornehmen  Höhe  eines
Zustandes  angestrengtester  sozialer  Tätigkeit  in  den  Zustand ­
  eines  vollkommen  hilflosen,  untätigen  Parasitismus
hinabsinkt,  ohne  sich  selbst  der  Tatsache  klar  bewußt
zu  werden  und  ohne,  daß  die  Gesellschaft  sich  darüber
klar  würde,  verbirgt  die  Frau,  die  aufgehört  hat,  ihr
Kind  selbst  aufzuziehen  oder  überhaupt  zu  gebären,  und
die  auch  keine  andere  produktive  soziale  Funktion  ausübt, ­
  diese  Tatsachen  vor  ihren  eigenen  Augen,  indem  sie
darauf  beharrt,  daß  sie  eine  Frau  sei,  in  der  jene  Eigenschaften ­
  wenigstens  latent  liegen.*
*  Es  besteht  eine  interessante  analoge  Tendenz  auch  allenthalben  auf
Seiten  des  parasitischen  Mannes,  seinen  tatsächlichen  Zustand  vor  seinen
Augen  und  denen  der  Welt  zu  verbergen,  indem  er  die  alten  Formen
männlicher  Arbeit  zum  Scheine  weiterübt.  Meist  rühmt  er  sich  laut,  hilflose ­
  Frauen  und  die  Gesellschaft  zu  beschützen,  während  in  Wahrheit  er
            
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