Full text: Die Frau und die Arbeit

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Zivilisation folgen. Die Entscheidung, die zu treffen wir 
berufen sind, ist entscheidend für die Menschheit; hinter 
uns schreiten unzählige Millionen. 
Es ist demnach die Behauptung, die selbst von denken 
den Menschen erhoben wird, unwahr, daß die Arbeiter 
frage und die Frauenfrage unserer Zeit vollständig eins 
seien, und daß die Frauen Europas nur geduldig zu war 
ten brauchten, bis die Männer allein die Frage für sich 
gelöst hätten, um gleichzeitig auch ihr eigenes Frauen 
problem gelöst zu finden. Angenommen, das ganze heu 
tige Arbeitsproblem des Mannes wäre morgen geordnet, 
es wären all die arbeitslosen oder nutzlos beschäftigten 
Männer, welche durch die Umwandlungen der modernen 
Verhältnisse an den beiden Polen der Gesellschaft ihrer 
alten Arbeitsformen beraubt worden sind, so erzogen und 
geschult, daß sie sich vollkommen den neuen Lebensbe 
dingungen anpaßten, und es wären der materielle Ertrag 
und die intellektuellen Möglichkeiten, welche der Ersatz 
menschlicher durch Maschinenkräfte nun der Menschheit 
gewährt, nicht mehr allein in den Händen Weniger, son 
dern der volle Arbeitsertrag käme allen Männern zugute, 
so wäre doch das Frauenproblem ebensoweit von einer be 
friedigenden Lösung entfernt als heute, und wenn es über 
haupt beeinflußt worden wäre, so zum Schlechteren. Es 
ist ganz unrichtig, daß 1000 oder ioooo Mark, die der 
Mann mit physischer oder geistiger Arbeit verdient hat und 
von denen er einen Teil zur Erhaltung nicht arbeitender 
Frauen, seien es Prostituierte, Ehefrauen oder Maitressen, 
verwendet, für die Frau oder die Gesellschaft dasselbe be 
deuten, wie dieselbe Summe, wenn sie von Frauen durch 
ihre eigene Arbeit erworben wurde, ob nun direkt als Lohn 
oder indirekt durch Arbeit für den Mann, von dessen Ein 
kommen sie leben. Für den Moment allerdings wird die vom 
Manne versorgte Frau weicher und wärmer gebettet sein, als 
jene, die gezwungen ist, sich selbst anzustrengen; schließ-
	        
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