Full text : Die Frau und die Arbeit

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bittersten  Feinde  der  Bestrebungen  der  Frauen  sind,  die
ihre  Lage  verbessern  wollen.  Nicht  einmal  die  Angehörigen ­
  jener  Berufe,  die  gewöhnlich  als  das  Bollwerk  von
Konservatismus  und  Vorurteil  gelten,  haben  sobald  eine
kurzsichtigere  Opposition  gegen  die  Versuche  der  Frauen,
in  neue  Arbeitsgebiete  einzudringen,  geübt,  als  wieder
und  wieder  die  männlichen  Arbeiter,  sowohl  als  Individuen, ­
  wie  in  der  organisierten  Macht  der  Tradeunions.*
  Sie  haben,  wenigstens  einige  von  ihnen,  die
Frauen  nicht  nur  von  neuen  Feldern  geistiger  und  sozialer
Arbeit  auszuschließen  gesucht,  sondern  selbst  von  den  al-Sachen
  nach  Hause  zu  bringen,  und  es  fiel  ihr  nicht  ein,  sie  selbst  zu  tragen, ­
  trotzdem  sie  vollständig  gesund  und  kräftig  war.  Die  Amerikanerin,
ein  Abkömmling  von  Generationen  tüchtiger,  tätiger  Puritaner,  nahm  die
Hammelkeule  unter  den  einen  und  das  Paket  Kleider  unter  den  andern
Arm  und  ging  damit  durch  die  Straßen  der  Stadt  nach  der  Wohnung  der
staunend  hinter  ihr  hertrottenden  Schmarotzerin.
Der  Fall  hilflosester,  weiblicher  Dekadenz,  der  mir  je  begegnet  ist,  war
der  einer  Tochter  eines  armen  englischen  Reserveoffiziers,  der  von  einer
sehr  kleinen  Pension  lebte.  Diese  Person  konnte  weder  kochen,  noch
nähen,  noch  hatte  sie  irgendwelche  geistige,  soziale  oder  künstlerische
Beschäftigung.  Sie  konnte  wohl  eine  Nacht  durchtanzen  oder  einen
Nachmittag  Tennis  spielen,  war  aber  kaum  imstande,  sich  selbst  zu
frisieren  oder  anzukleiden  und  schien  absolut  alle  Fähigkeit  verloren  zu
haben,  sich  zu  irgendeiner  Sache  zu  zwingen,  die  ihr  im  Moment  unangenehm ­
  oder  anstrengend  war,  wie  dies  eben  bei  jeder  Arbeit  vorkommt,
wieviel  Befriedigung  sie  auch  schließlich  bringen  mag.  In  den  achtundzwanzig ­
  Jahren  ihres  Lebens  hatte  diese  Frau  wahrscheinlich  nicht  eine
einzige  Stunde  ernster  physischer  oder  geistiger  Arbeit  zu  der  Totalsumme ­
  menschlicher  produktiver  Leistungen  beigetragen.  Hätte  sie  inmitten ­
  vieler  Morgen  kultivierbaren  Landes  gelebt,  so  würde  sie  doch
wahrscheinlich  lieber  Hungers  gestorben  sein,  als  daß  sie  auch  nur  einen
halben  Acker  zu  ihrer  Nahrung  bestellt  hätte.  Das  ist  ein  extremer  Fall;
aber  das  schließliche  Resultat  des  Parasitismus  ist  immer  eine  Lähmung
des  Willens  und  die  Unfähigkeit,  sich  selbst  zu  irgendeiner  Handlungsweise ­
  zu  zwingen,  die  momentan  unangenehm  oder  anstrengend  ist.
Die  Verhältnisse  scheinen  in  den  anglikanischen  Ländern  etwas  ant
 * ers  zu  liegen  als  bei  uns,  wo  der  Arbeiter  in  der  Frau  wohl  die  Lohndrückerin ­
  bekämpft,  die  Gleichberechtigung  der  Frauen  aber  gerade  von
der  organisierten  Arbeiterschaft  in  unserer  Zeit  voll  anerkannt  wird
und  Arbeiter-  und  Frauenbewegung,  so  verschieden  sie  in  ihrem  Wesen
sind,  von  gleichem  Zukunftsglauben  und  persönlichem  Opfermut  getragen ­
  werden.  Anm.  d.  Ubers.
            
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