Full text: Die Frau und die Arbeit

74 
habenden, kultivierten, geistig arbeitenden Klassen hat, 
wo allein gegenwärtig die Gefahr der Entkräftung durch 
Müßiggang und der Degeneration durch Abhängigkeit 
von den Geschlechtsfunktionen existiert. Das Arbeitspro 
blem ist für die Frau unserer Tage letzten Endes das Be 
streben von seiten eines Teils des Geschlechts, sich selbst 
vor Untätigkeit und Degeneration zu schützen und dies 
sogar auf Kosten eines momentanen schweren Verlustes 
an materiellem Behagen und Wohlleben für die Individuen, 
die die Frage aufwarfen. Das Arbeitsproblem des Mannes 
ist direkt und in erster Linie ein materielles und, wenig 
stens oberflächlich, mehr oder weniger eigennützig, ob 
wohl die schließliche Wirkung auf die Gesellschaft durch 
die Befreiung der ärmeren Mitglieder aus Erniedrigung, 
Abhängigkeit und Not imzweifelhaft durchaus sozial und 
unbedingt notwendig für das Wohl und die weitere Ent 
wicklung der Menschheit ist. In der Frage der Frauen 
arbeit unserer Zeit, die ihren Ursprung wesentlich unter 
Frauen der gebildeten und wohlhabenden Klassen hat 
und die hauptsächlich in dem Verlangen nach Öffnung be 
ruflicher, politischer und höherer, gelernter Arbeit besteht, 
kann das endliche Resultat nur auf Kosten mehr oder weni 
ger heftiger, augenblicklicher persönlicher Leiden und Ent 
behrungen erreicht werden, obwohl ein befriedigender Ab 
schluß zweifellos zum materiellen und physischen Wohl 
der Frauen selbst, sowie ihrer männlichen Genossen und 
der Nachkommenschaft gereichen wird. 
Das nächste halbe Jahrhundert wird eine Zeit besonderer 
Anspannung sein, da die Menschheit unausgesetzt danach 
trachtet, die Begriffe der Moral, die sozialen Verhältnisse 
und die allgemeinen Einrichtungen des Lebens den neuen 
und sich fortwährend entfaltenden materiellen Bedingun 
gen anzupassen. Wenn die beiden großen Bewegungen un 
serer Zeit, die diese zum Gegenstände haben, zu voller 
Übereinstimmung und engem Zusammenwirken gebracht
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.