Full text : Die Frau und die Arbeit

s

77

des  verknüpfte  —  von  sich  weist,  weil  dieselbe  ihr  nur  Entnervtheit
  und  Schmarotzertum  zu  bieten  hätte.  Dies  Bewußtsein ­
  befähigt  sie,  Armut,  Mühe  und  geschlechtliche
Vereinsamung  (eine  Vereinsamung,  die  für  die  Frau  noch
schrecklicher  ist  als  für  jeden  Mann)  hinzunehmen,  ja
selbst  den  Verzicht  auf  Mutterschaft,  diese  höchste  Seligkeit ­
  des  weiblichen  Daseins,  die  allein  vollen  Ersatz  für
die  natürlichen  Leiden  ihres  Weibtums  zu  bieten  vermag.
Sie  tut  es  in  der  Überzeugung,  dadurch  eine  vollere  und
höhere  Entwicklung  der  Mutterschaft  und  Ehe  für  kommende ­
  Frauengenerationen  zu  ermöglichen.  Es  ist  dieses
Bewußtsein,  welches  auch  der  geringsten  Frau,  die  an  die
geschlossenen  Pforten  pocht,  welche  sie  von  den  neuen
Feldern  physischer  und  geistiger  Arbeit  abschließt,  eine
achtunggebietende  Bedeutung  gibt:  sie  ist  überzeugt,  nicht
für  sich  selbst,  sondern  im  Dienste  der  ganzen  Menschheit
an  diese  Pforten  zu  pochen.  Es  ist  dieses  beständige  Bewußtsein ­
  eines  über  persönliches  Leben  und  individuelles
Interesse  hinausreichenden  Zieles,  welches  das  religiöse
Element  der  Frauenbewegung  unserer  Tage  ausmacht  und
mit  einem  gemeinsamen  Band  unpersönlicher  Begeisterung ­
  die  Frauen  der  verschiedensten  Rassen,  Klassen  und
Nationen  in  ihrem  Kampf  um  Anpassung  an  das  moderne
Leben  verbindet.
Dies  ist  es  auch,  was,  ungeachtet  der  Mängel  und  Fehler ­
  der  einzelnen,  doch  diese  Frauen  in  ihrer  Gesamtheit
zu  einer  der  eindrucksmächtigsten  und  unwiderstehlichsten ­
  modernen  Kräfte  macht.  Jeder  gemeine  Soldat  einer
großen  siegreichen  Armee  ist  gerade  auch  nicht  immer  ein
imponierendes  Wesen,  wenn  er  die  Dorfstraße  entlang
schlendert,  die  Mütze  schief  auf  dem  Kopf,  das  Bajonett
zwischen  den  Beinen  baumelnd,  noch  macht  er  immer
einen  gewaltigen  Eindruck,  wenn  er  seine  Uniform  putzt
oder  seinen  Eßnapf  auswischt;  und  doch  sind  es  Individuen ­
  dieser  Art,  aus  denen  die  große  Armee  besteht,  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.