Vorwort.
Den nachfolgenden Ausführungen liegen Gedanken zugrunde, die
ich während meiner Kriegstätigkeit im damaligen Reichsschatzamt,
jetzigen Reichsfinanzministerium, vertreten habe. In schriftlicher
Form lag das erste Gutachten über Wesen und Umfang der Inflation
bereits im Sommer 1918 vor. Das zweite Gutachten über die finan-
. ziehen Maßnahmen zum Abbau der Preise ist erst nach der politischen
Umwälzung niedergeschrieben worden. Beide Teile, die bis zum Tage
der Unterzeichnung des Friedens ergänzt worden sind, werden jetzt mit
Genehmigung des Herrn Reichsfinanzministers veröffentlicht. In dieser
Genehmigung liegt keineswegs eine amtliche Zustimmung zu allen
Einzelheiten meiner Ausführungen. Für sie trage ich allein die Ver
antwortung.
Bei der Beurteilung beider Gutachten wolle man ihren Zweck nicht
außer acht lassen. Es mußte für mich darauf ankommen, das Wesen
und den Umfang der Inflation sowie ihren Einfluß auf die Preise auf
Grund der tatsächlichen deutschen Kriegswirtschaft zu ermitteln, um
so eine praktische Grundlage für die Erörterungen über die finanziellen
Maßnahmen zum Abbau der Preise zu gewinnen. Ich konnte meine
Aufgabe nicht darin erblicken, etwa die theoretischen Gedankengänge,
die schon in reichlicher Zahl vorliegen, fortzuspinnen und in eine grund
sätzliche Auseinandersetzung mit den aufgestellten Theorien einzutreten.
Wenn ich trotzdem nicht immer ganz an den herrschenden Lehrmei
nungen vorbeigegangen bin, so war dafür entscheidend, daß ich mög
liche Mißverständnisse klären oder auf Änderungen der Voraussetzungen,
von denen jene Meinungen ausgehen, aufmerksam machen mußte.
Es ist angeregt worden, als Gegenstück zu der Bankenquete von 1908
eine deutsche Währungsenquete von 1919 damit zu beauftragen, ge
eignete Maßnahmen zur Wiedergesundung des deutschen Geldwesens in
Vorschlag zu bringen. Die praktischen Ergebnisse einer solchen Ver
anstaltung sind nicht allzu hoch zu veranschlagen. Mehr möchte ich
dem Vorschläge des schwedischen Kollegen Cassel zustimmen, auf
einer internationalen Valutakonferenz eine Aussprache über die An
näherung der Wechselkurse der einzelnen Länder bzw. über ihre Sta
bilisierung im Zusammenhang mit dem wiedererwachenden Welthandel
herbeizuführen. Weniger wegen der etwa zum Vorschein kommenden
neuen Erkenntnisse, als mit Rücksicht darauf, daß aus der persönlichen
Fühlungnahme und Aussprache der führenden Männer eine stärkere
Betonung des gemeinsamen Interesses an einer internationalen Rege
lung des Valutaproblems herauswachsen kann.
Grunewald, den 28. Juni 191$. l f ■
W. Prion.