Metadata: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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denen kosmopolitischen Redensarten und Argumente zu ver 
decken, um fremde Nationen abzuhalten, diese Politik nach- 
zuahme n“. List war, ähnlich wie Tucker, der Ansicht, bei gleich 
starken Völkern könne Freihandel herrschen. So lange aber ein Volk im 
Werden sei, müsse es sich mit aller Macht der fremden Konkurrenz zu er 
wehren trachten und, wenn nötig, vor einem Kriege nicht zurückscheuen. 
Seine Meinung ist in sofern e begründet, als tatsächlich in unserer heutigen 
Ordnung eine Einfuhr von Produkten einen Staat wirtschaftlich schwer schädigen 
kann, während die Freihandelslehre, die den Gegensatz zwischen Rentabilität 
und Produktivität wenig klar erfaßte, häufig dazu neigte, jede Vermehrung von 
Produkten für gut zu halten. Überdies wußte List aus Erfahrung, daß der 
schwächere Staat ohne Schutzzoll- und Privilegienpolitik nur allzuleicht in dauernde 
Abhängigkeit von dem reicheren und mächtigeren geraten kann. Namentlich 
Agrarstaaten müßten sich, wenn sie dazu fähig sind, eine Industrie zu verschaffen 
versuchen. Wie die englischen Wirtschaftsverhältnisse die englischen Denker 
zur Freihandelstheorie führten, so die deutschen Zustände F. List und andere 
seiner Zeitgenossen zur Schutzzolltheorie. Nach List könnte bei Freihandel 
der ärmere Staat, zumal wenn es ein Agrarstaat ist, geradezu der Sklave des 
reicheren werden. Selbstverständlich kann dies auch bei merkantilistischer Politik 
Vorkommen, nur daß der Merkantilismus das Sich-zur-Wehr-setzen theoretisch 
kannte, die Freihandelslehre aber nicht. List schildert an einer Stelle 3i), wie 
sich beim ungehinderten Walten der freien Konkurrenz der Weltzustand gestalten 
würde : „Die Briten, als eine unabhängige, in sich abgeschlossene Nation, 
würden fortan ihr Nationalinteresse zur alleinigen Richtschnur ihrer Politik 
nehmen. Asien, Afrika, Australien würden durch England zivilisiert und mit 
neuen Staaten nach englischem Muster besät. So entstünde mit der Zeit eine 
Welt englischer Staaten unter dem Präsidium des Mutterstaates, in welcher 
sich die europäischen Kontinentalnationen als unbedeutende, unfruchtbare Volks 
stämme verlören. Frankreich würde sich mit Spanien und Portugal in die 
Bestimmung teilen, dieser englischen Welt die besten Weine zu liefern und die 
schlechten selbst zu trinken; höchstens dürfte den Franzosen die Fabrikation 
einiger Putzwaren bleiben. Deutschland dürfte dieser englischen Welt schwerlich 
etwas mehr zu liefern haben, als Kinderspielwaren, hölzerne Wanduhren, philo 
logische Schriften und zuweilen ein Hilfskorps, das sich dazu hergäbe, in den 
Wüsten Asiens oder Afrikas für die Ausbreitung der englischen Manufaktur- 
und Handelsherrschaft, der englischen Literatur und Sprache zu verschmachten. 
Nicht viele Jahrhunderte dürfte es anstehen, so würde man in dieser englischen 
Welt mit derselben Achtung von den Deutschen und Franzosen sprechen, 
womit wir jetzt von den asiatischen Nationen reden.“ Um Deutschland vor 
einem solchen Schicksal zu bewahren, trat List für den Schutzzoll ein und 
im Zusammenhang damit für eine deutsche Flotte.^-) 
Wir sahen, daß der Krieg den einzelnen direkt Vorteile zu bringen ver 
mag, indem dem Feind weggenommen wird, was er besitzt, bewegliche und 
unbewegliche Habe. Auch scheint es verständlich, daß unter gewissen Um 
ständen der Handel durch siegreiche Kriege gefördert werden kann. Die 
Frage ist aber, wie die Oesamtwirkung des Krieges auf die Wirtschaft anzu 
schlagen ist. Es ist nun eine merkwürdige Tatsache, die von vielen Autoren 
beobachtet wurde, daß große Kriege in der neueren Zeit weder dem Sieger, 
noch dem Besiegten so schädlich sind, als man erwarten sollte, ja daß nidit 
selten geradezu ein Aufschwung während des Krieges oder kurz nach dem 
selben beobachtet werden kann. Immer wieder wird das „unerwartete, ja 
wunderbar schnelle“ ^3) Heilen der Wunden, die der Krieg geschlagen hat, 
hervorgehoben. Zum Teil erklärt sich der wirtschaftliche Forts(^itt beim 
Sieger aus der neueinsetzenden Spekulation, welche, den Erfolg vorwegnehmend, 
die Kurse in die Höhe schnellen läßt, was mit dazu beiträgt, die Industrie zu 
31) List, a. a. O. Kap. 11. 
32) F. List, a. a. O. 8. 349. 
33) R. Steinmetz, Die Philosophie des Krieges. Leipzig 1907, S. 90.
	        
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