Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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verschafft  hatten,  waren  vergessen.  So  konnte  schon  am  Ende  des  XVII.  Jahrhunderts ­
  ein  Mann  wie  Dudley  North  ausrufen  :  „.  .  .  .  no  people  ever  yet
grew  rich  by  Politics;  but  it  is  Peace,  Industry  and  Freedom  that  brings
Trade  and  Wealth,  and  nothing  else.“24)  Unter  denjenigen,  welche  den
Freihandel  begründen  halfen,  gab  es  solche,  die  ihn  nicht  ganz  allgemein
forderten,  sondern  der  Meinung  waren,  reifende  Völker  bedürften  der  Privilegien ­
  und  anderer  schützenden  Maßregeln  ;  nur  solche,  die  schon  voll  entwickelt ­
  seien,  könnten  auf  sie  verzichten,  zu  ihnen  gehöre  England.^^)
Frühere  Jahrhunderte  haben,  wie  wir  sahen,  den  Verteidigungs-  und  Eroberungskrieg ­
  immer  zusammen  behandelt,  wenn  es  die  finanziellen  und  wirtschaftlichen ­
  Ergebnisse  zu  betrachten  galt,  und  sie  nur  in  moralischer  Hinsicht
einander  gegenübergestellt.  Es  ist  bemerkenswert,  daß  Ferguson,  ein  Zeitgenosse ­
  von  Adam  Smith,  mit  dem  er  auch  in  persönliche  Beziehungen  trat,
einem  Kapitel  seines  Werkes  „An  Essay  on  the  History  of  Civil  Society“  den)
Titel  gab;  „Of  national  defence  and  conquest“,  während  das  analoge  Kapitel  bei
Adam  Smith  im  5.  Buch  die  Überschrift  trägt:  „Of  the  expense  of  defence“.
Während  aber  bei  den  Freihändlern  die  Ausschaltung  des  Angriffskrieges  durch
die  nationalökonomische  Betrachtung  theoretisch  begründet  war,  wurde  sie  audi
von  Nationalökonomen  vorgenommen,  die  keine  Freihändler  waren.  Zum  Teil
mögen  dabei  moralische  Erwägungen  mitgespielt  haben.  Manche  Autoren  scheinen
sich  geradezu  zu  scheuen,  ihrem  Vaterlande  einen  Eroberungskrieg  zuzumuten.
Wir  finden  daher  in  vielen  Werken  immer  wieder  nur  die  „Landesverteidigung“
erwähnt.26)  Aber  auch  jene  Autoren,  welche  den  Eroberungskrieg  berühren,
legen  sich  dabei  eine  erhebliche  Zurückhaltung  auf  und  glauben  nicht  selten,
denselben  moralisch  begründen  zu  müssen,2’)  ehe  sie  untersuchen,  wie  man
ihn  führen  könne  und  welche  Wirkungen  er  habe.  Die  Freihändler,  welche
die  These  vertraten,  der  Krieg  bereichere  ein  Land  nicht,  haben  sich  meist
mit  allgemeinen  Betrachtungen  begnügt.  So  meint  z.  B.  Adam  Smith,
Armee  und  Flotte  seien  nicht  einmal  imstande,  ihre  Unterhaltskosten  hereinzubringen.2*) ­
  Diese  Ansicht  scheint  bei  ihm  zum  Teil  dadurch  bedingt  gewesen ­
  zu  sein,  daß  er  überhaupt  nicht  die  Möglichkeit  in  Erwägung  zieht,  eine
Armee  könne  sich  in  Feindesland  ohne  Zuschuß  von  zu  Hause  erhalten.  Über
die  Wirkungen  des  Krieges  äußert  er  sich  weit  ausführlicher  29)  als  seine  Anhänger, ­
  wie  er  ja  überhaupt  für  das  Gesamtleben  eines  Staates,  nicht  nur  für
die  reine  Marktwirtschaft  Interesse  zeigte.  Aus  der  Tatsache,  daß  die  englischen
Freihändler  sich  gegen  den  Krieg  und  gegen  jede  Wirtschaftspolitik  aussprachen,
welche  den  freien  Handel  behindere,  obgleich  Englands  Entwicklung  nicht
auf  dem  Wege  des  Freihandels,  sondern  des  Merkantilismus  erfolgt  war,  führte
Friedrich  List  dazu,  geradezu  eine  böse  Absicht  der  englischen  Theoretiker
und  Politiker  zu  vermuten,  da  sie  gewissermaßen  darauf  ausgingen,  den  anderen ­
  Staaten  den  Weg  zur  Entfaltung  zu  verbergen.  Er  meint,  es  sei  Englands
Staatsmaxime  :  30)  „Kriege  zu  führen  und  Allianzen  zu  schließen  mit  ausschließlicher ­
  Rücksicht  auf  das  Manufaktur-,  Handels-,  Schiffahrts-  und  Kolonialinteresse, ­
  den  Überschuß  an  produktiver  Kraft  auf  die  Kolonisation  und
die  Unterwerfung  barbarischer  Nationen  zu  verwenden“  und  schließlich  „d  i  e
wahre  Politik  Englands  durch  die  von  Adam  Smith  erfun-24)

  Vgl.  F.  Raffel,  Englische  Freihändler  vor  Adam  Smith.  Tübingen
1905,  S.  47.  Ähnlich  Tucker,  vgl.  Raffel,  S.  133.
23)  Vgl.  Raffel,  a.a.  O.  S.  127.
26)  Vgl.  z.  B.  Roscher-Gerlach,  System  der  Finanzwissenschaft.
5.  Aufl.  Stuttgart  1901,  II,  S.  188.
27)  Vgl.  z.  B.  Ad.  Wagner,  Finanzwissenschaft,  3.  Aufl.  Leipzig  und
Heidelberg  1883,  I,  S.  418.
28)  Vgl.  A.  Smith,  Wealth  of  nations,  B.  II,  c.  3:  „.  .  .  .  great  fleets  and
armies,  who  in  time  of  peace  produce  nothing,  and  in  time  of  war  acquire  nothing
which  can  compensate  the  expense  of  maintaining  them,  even  while  the  war  lasts“.
29)  Vgl.  A.  Smith,  a.  a.  O.  B.  IV,  c.  1.
30)  F.  List,  a.  a.  O.  B.  IV,  Kap.  33.  S.  297  f.
            
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