Object: Die deutsche Wirtschaft

Die wirtschaftliche Einstellung der öffentlichen Verwaltung, 469 
kräften in einem oder mehreren größeren Räumen, wobei es dem Büro- 
vorsteher, wie in Privatbetrieben, möglich sein muß, den ganzen 
Arbeitsraum zu überschauen, 
Man kann hier an der großen Verwaltungsreform nicht 
ganz vorbeigehen, die in Preußen seit mehr als 20 Jahren gefordert 
wurde und jetzt endlich einer teilweisen Verwirklichung entgegen- 
geführt werden soll, Eine Verwaltung arbeitet nicht schon dann gut, 
wenn die einzelnen Behörden nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten 
arbeiten; die Behörden müssen auch die richtige Stellung inerhalb des 
Behördenorganismus haben. In der allgemeinen Verwaltung Preußens 
stehen zwischen Lokalinstanz (Landrat, Stadtkreis) und der Zentral- 
instanz (den Ministerien) zwei Mittelbehörden: der Regierungspräsi- 
dent und der Oberpräsident, Welcher von ihnen soll weichen? Denn 
einer ist zuviel, besonders wenn man bedenkt, daß auf manchen Ge- 
bieten, z. B. dem sozialpolitischen, das Reich immer mehr Teilnahme 
an der Verwaltung als Zentralinstanz beansprucht, nicht selten in 
innerem Widerspruch zu Artikel 15 der Reichsverfassung. Die preu- 
ßische Staatsregierung hat sich für die Aufgabe der Regierungspräsi- 
denten entschieden und will zu diesem Zwecke zunächst zu dem frü- 
heren Zustande zurückkehren, der den Oberpräsidenten mit dem am 
Sitze des Oberpräsidiums vorhandenen Regierungspräsidenten in einer 
Person vereinigte, Dadurch werden zunächst elf Regierungspräsidenten 
frei. Die Beamten dieser Regierungspräsidenten sollen aber nicht auf 
das Oberpräsidium übergehen, die Oberpräsidien werden vielmehr 
durchweg verkleinert und in ihren Aufgaben beschränkt, während 
an dem Beamtenapparat der Regierungspräsidenten zunächst nichts 
Wesentliches geändert werden soll. Es wird abzuwarten sein, wie auf 
diesem Wege die allmähliche Aufsaugung der Regierungen durch die 
Oberpräsidien möglich gemacht werden kann, 
Noch wichtiger ist für eine wirtschaftliche Gestaltung der öffent- 
lichen Verwaltung die Stellung der Länder zudem Reich. 
Nach dem Umsturz schwollen die Reichsministerien außerordentlich an. 
Alle wichtigen Aufgaben sollten auf sie übergehen, und der deutsche 
Einheitsstaat schien der Verwirklichung nahe, Doch die Weimarer 
Verfassung erreichte dieses ihrem Verfasser vorschwebende Ziel nicht. 
Deutschland wurde kein Einheitsstaat, blieb aber auch kein Bundes- 
staat — ein halber Zustand, der naturgemäß zu Reibungen führte, Es 
setzte deshalb unter der Führung Süddeutschlands, besonders Bayerns, 
schon bald eine rückläufige Bewegung ein, die ihren Abschluß noch 
nicht erreicht hat. Den Stein des Anstoßes bildete vor allem die Erz- 
bergersche Steuerreform, die durch die Schliebenschen neuen Steuer- 
gesetze ersetzt ist. Letztere stellen ein gewaltiges Gesetzgebungswerk
	        
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