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2. Die Geschäfte der modernen Banken. 259
Besorgung des Bezugs neuer Couponbogen. Diese Geschäfte begründen eine Kund
schaft, weshalb die Banken hier eine weitgehende Kulanz bekunden; sie notieren sich
zumeist die Nummern, sehen alle Verlosungen nach und machen ihren Kunden Mit
teilung in der Erwartung, daß dieselben dann auch bei ihnen wieder neue Papiere
erwerben. Einige Banken übernehmen gegen eine Gebühr auch eine Lüftung für das
Nachsehen von Verlosungen. — Ein außerordentlich in Zunahme begriffener Geschäfts
zweig ist die Annahme von Wertpapieren und sonstigen Wertgegenständen in Depot.
Die Banken schaffen Einrichtungen, um diese Deponierung möglichst sicher zu gestalten.
Werden die Wertpapiere offen deponiert, so übernehmen sie die ganze Verwaltung
dieser Papiere; sie trennen die Coupons ab, überwachen die Auslosungen, besorgen
ev. neue Anlagen rc.
Wichtige und folgenreiche Bankgeschäfte bilden das Gründungs- und Am-
wandlungsgeschäst, die Übernahme neuer Aktienemissionen, die Fusionsgeschäste, Aus
einandersetzungsgeschäfte.
Die Beteiligung von Banken an technischen Unternehmungen ist äußerst häufig,
namentlich an solchen, die sich bald abwickeln; es bildet sich hierbei nicht selten ein
Syndikat oder Konsortium von Technikern und Banken. So hat z. B. die Diskonto
gesellschaft in Berlin in Gemeinschaft mit einer ungarischen und deutschen Firma
(Julius Lajdn und Lugo Luther) die Durchführung der Korrektion am Eisernen Thor
der Donau übernommen. Zuweilen kommanditieren auch die Banken ein Unternehmen,
ein Waren- oder Bankgeschäft; sie beteiligen sich als Aktionäre, rufen eventuell auch
allein Unternehmungen ins Leben. Selten haben die Banken die Neigung, dauernd
an einem Unternehmen beteiligt zu bleiben, es sei denn um den Einfluß auf dasselbe,
z. B. auf eine Tochterbank, nicht zu verlieren. Gerade bei gutem Ertrag trachten die
Banken oft dahin, das gegründete Unternehmen loszuschlagen, um den Ertrag kapi
talisiert zu erzielen und wieder zu gründen. Wenn eine Fabrik mit einem Kapital
von l Million Mark 100000 Mark Ertrag = 10% abwirft, so verkauft man sie
um 2 Millionen Mark, so daß nun eine Verzinsung von 5% resultiert, und gründet
neu. Die Banken als Gründer gleichen Bauunternehmern, welche die gebauten Läufer
wiederverkaufen, oder Leuten, die Ladengeschäfte einrichten, um nach erworbener Kund
schaft sie wiederzuveräußern.
Besonders große Lust zeigen die Banken für Amwandlungsgeschäfte; der unsicheren
Faktoren sind weniger, als bei einer Neugründung; man sieht bereits, wie alles inein
ander greift und funktioniert; das Arteil über die Prosperität ist sicherer. Die Am
wandlung in eine Aktiengesellschaft wird oft von den Banken angeregt, weil sie hierbei
verdienen. Sic kann empfohlen sein, weil zur Rentabilität eine Vergrößerung des
Betriebes als notwendig erscheint, oder weil das Anternehmen so groß geworden ist,
daß der Besitzer das Risiko nicht mehr tragen will, oder weil Familienrücksichten
eine Abgabe an eine Aktiengesellschaft wünschenswert machen. Ost ist aber die Am
wandlung ganz unzweckmäßig und nur eine fragwürdige Spekulation. Die Amwand
lungen stellen sich als industrielle Ausschlachtungsgeschäste heraus; die Anternehmer-
anteile lassen sich leichter und höher verwerten, als es beim Verkauf des ganzen Anter-
nehmens möglich wäre. In der Regel geschieht in Deutschland die Amwandlung in
Form der Simultangründung; die Bank tritt in das Gründerkonsortium mit ein, der
bisherige Besitzer überläßt der Aktiengesellschaft zu normalem Preis das Anternehmen,
das Gründerkonsortium sucht die Aktien mit Agio zu verkaufen.
Auch bei neuen Aktienemissionen übernimmt meist eine Bank die Führung. Die
Erhöhung des Aktienkapitals durch Aufzahlung ist selten, weil sie die Zustimmung
aller Aktionäre vorausseht und nicht jeder Aktionär die Leistung machen kann. Die
Erhöhung des Grundkapitals geschieht meist durch Ausgabe neuer Aktien. Wenn die
Ausgabe von 100 neuen Aktien ä 1000 Mark in der Generalversammlung beschlossen