Gemäfs der denkwürdigen Entscheidung des Papstes
Alexander VI. im Jahre 1493 sollte für ewige Zeiten den
Spaniern die westliche, den Portugiesen die östliche Welt, zu
der Afrika rechnete, gehören. Damit hätte Portugal für immer
das Monopol im Sklavenhandel besessen. Indessen ist be
kannt, wie bald die aufkommende holländische und britische
Seemacht jene portugiesische Domäne durchbrachen. Vor
nehmlich hatte es England im Laufe des 18. Jahrhunderts
verstanden, sich zum Besitzer der für den Sklavenhandel be
langreichsten Positionen in Afrika aufzuschwingen. Die besten
Küstenstriche mit den bevölkertsten Hinterländern, den kräf
tigsten, fügsamsten und brauchbarsten Negerstämmen gehörten
ihm. Sie sicherten ihrem Besitzer eine grofse Überlegenheit
gegenüber allen übrigen mit Sklaven handelnden Nationen zu.
Letztere, Holland und Portugal ausgenommen, besafsen bis
1783 nur einen kümmerlichen Anteil an der Küste des schwarzen
Erdteils. Seitdem aber wurde es anders. Die im Zusammen
hang mit der nordamerikanischen Rebellion ausbrechenden
Kriege mit Frankreich, Spanien und Holland führten den Um
schwung herbei. Die Abtretungen, zu denen sich England
1778 und 1783 in Afrika verstehen mufste, machten seine
Rivalen unabhängig von den britischen Sklavenlieferungen und
gaben ihnen die Möglichkeit, fortan einen eigenen Negerhandel
zu betreiben oder den bereits vorhandenen auszudehnen. Vor
nehmlich konnte Spanien jetzt endlich daran denken, seinen
alten Wunsch zu verwirklichen, sich von den fremden Sklaven
lieferungen zu befreien. Solange es in Afrika keine Be
sitzungen hatte, besafs es auch keinen nationalen Sklaven
handel.
Bereits im Friedensschlufs zu Pardo, am 24. März 1778,
wurden den Spaniern die Inseln Annabon und Fernando del
Po abgetreten und ihnen die Freiheit gewährt, an den gegen
überliegenden Küsten bei den Flüssen Ga bean, Camerones,
Domingo und beim Kap Formoso Neger einzuhandeln (Seil,
S. 41). Im Friedensschlufs zu Versailles 1783 wurden auch
den französischen Besitzungen an der afrikanischen Küste be
trächtliche Erweiterungen zugestanden. Frankreich bekam neu
hinzu die bisher britischen Stationen St. Louis und G orée,
das Fort Sénégal, ferner Rufisque, Joal, Portudal, Albreda,
die Iles-Idoles bei Sierra Leone und vor allem Anteil am
Handel von Altkalabar, Neukalabar und in Bonny an der Mün
dung des Niger (Seil, S. 54 ff.). Letztere beiden Plätze hatten
bei weitem den gröfsten Umsatz an der ganzen Küste; denn
sie lieferten jährlich 14500 Sklaven von insgesamt 74000,
welche nach offiziellen Angaben von den europäischen Stationen
damals verschleppt wurden (Report 1789, I, Mr. Norris, auch
Southey III, S. 32). An diesen sowie an denjenigen Stationen,
die sie von früher her besafs, hob die französische Regierung