Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

13

störung  vorübergehend  sein  werde,  da  traf  die  Nachricht  ein,  daß  England ­
  am  25.  Juni  zur  Vergeltung  die  strengste  Blockade  über
Elbe  und  Weser  verhängt  habe.  Auch  neutralen  Schiffen  wurde
weder  die  Einfahrt  noch  die  Ausfahrt  gestattet.  Die  Erregung
in  Hamburg  richtete  sich  nun  weit  mehr  gegen  England  als  gegen
Frankreich.  Ein  so  scharfes  Vorgehen  hielt  man  nicht  für  gerechtfertigt, ­
  man  meinte,  England  habe  seinen  Seehandel  ruhig,  wie
früher  schon  öfter,  unter  neutraler  Flagge  fortsetzen  können.  Selbst
in  englischen  Handelskreisen  war  man  überrascht  und  verwandte
sich  für  Aufhebung  der  Blockade,  doch  nur  mit  dem  Erfolg,  daß
die  Einfuhr  von  3000  Last  Steinkohlen  nach  Hamburg  gestattet
wurde,  mit  deren  Hilfe  die  dortigen  Zuckersiedereien  ihren  Betrieb
notdürftig  fortsetzen  konnten.  Im  übrigen  wurde  die  Blockade
streng  durchgeführt,  Hamburger  Grönland-  und  Archangelfahrer
weggenommen  und  als  gute  Prisen  behandelt,  als  ob  sie  einerfeindlichen
  Nation  angehörten.
Der  Seeverkehr  auf  der  Elbe  und  Weser  stockte  nun  völlig,
aber  der  Handel  läßt  sich  nicht  so  leicht  sperren,  solange  er  noch
ein  Hinterpförtchen  offen  sieht.  Das  holsteinische  Tönning  wurde
jetzt  der  Seehasen  Hamburgs.  Das  kleine  öde  Städtchen  am
gelblichfließenden  Eiderstrom  erlebte  bewegte  Tage,  sah  ungewohntes
Treiben  in  seinen  Straßen.  Eine  Anzahl  Hamburger  Handelshäuser ­
  etablierte  Kontore,  der  Hafen  war  mit  Schiffen,  besonders
amerikanischen,  überfüllt  —  im  Juli  lagen  ihrer  nicht  weniger  als
80  auf  der  Reede  —  und  die  dänische  Negierung  bemühte  sich
durch  Bereitstellung  des  königlichen  Packhauses  zur  Lagerung  der
Güter,  durch  Erweiterung  des  Hafens  und  andere  Anstalten  den
Verkehr  zu  erleichtern.  Die  Existenz  des  1784  erbauten  Eiderkanals ­
  erwies  sich  als  ein  großer  Vorteil;  4000  Schiffe  passierten
diesen  im  Jahre  1803,  und  die  Jahres-Zvlleinnahme  in  Tönning
stieg  von  25000  plötzlich  auf  200000  Reichstaler.  Der  Verkehr
mit  Hamburg  wurde  anfänglich  durch  die  Wattfahrer  besorgt,  bis
die  Engländer  im  August  auch  diese  Verbindung  sperrten;  seitdem
war  man  auf  den  Landtransport  mit  Frachtwagen  angewiesen,
der  jedoch  seiner  Kostspieligkeit  und  der  vielen  Diebstähle  wegen
nur  einen  mangelhaften  Notbehelf  darstellte.  Auch  über  Kopenhagen, ­
  Kiel  und  Lübeck  gingen  teiliveise  die  nach  Hamburg  und
Altona  designierten  Güter.  Etwas  besser  war  Bremen  daran.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.