Full text: Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

23 
16 Millionen voll. Lübeck wollte auf die Rückkaufsumme 5 Millionen 
für Lieferungen angerechnet haben, und da dieser Betrag den Wert 
der konfiszierten Waren weit überstieg, forderte es noch obendrein 
einen Schadenersatz von 800 000 fr.! Es versteht sich, daß 
Napoleon darauf nicht einging. Obwohl schon fast völlig ruiniert, 
mußte Lübeck die von ihm festgesetzten 2 Millionen zahlen 
Bremen scheint mit einer weit geringeren Summe davongekommen 
zu sein. 
Im Grunde hat diese ganze Angelegenheit mit dem System 
der Kontinentalsperre nichts zu tun. Es handelt sich, wie schon 
angedeutet, um eine einfache Erpressung, wie sie Frankreich seit 
1795 fortgesetzt an den Hansestädten verübt hatte. Daneben aber 
richtete die kaiserliche Regierung ihre volle Aufmerksamkeit auf den 
eigentlichen Zweck der Sperre, die Fernhaltung der englischen 
Waren. Noch vor Ablauf des Jahres 1806 sah Hamburg die 
ersten französischen Douaniers an seinen Toren, die Grünröcke, 
gegen die sich in den folgenden sieben Jahren der Unterdrückung 
der grimmigste Haß der Bevölkerung richtete. Gleich nach der 
Besetzung der Stadt war sogar der Kleinverkehr mit den Nach 
barorten gesperrt worden; erst Anfang Dezember wurde er gegen 
Zertifikate und umständliche Visitierung der Waren freigegeben. 
Dreihundert Douaniers, die Anfang 1807 eintrafen, bildeten einen 
Zollkordon am linken, hannoverschen Elbufer und von Hamburg 
bis Travemünde. Ihr Kommandant, Inspektor Endel, ein tüchtiger, 
und was besonders hervorgehoben zu werden verdient, unbestechlicher 
Beamter, hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die 
Kontinentalsperre stellte einen so tiefen Eingriff in das Leben 
der Hansestädte dar, daß ein plötzlicher Abbruch all der Verbindungen, 
aus denen sie bisher ihre Nahrung gezogen hatten, fast als eine 
Unmöglichkeit bezeichnet werden mußte. Handel und Verkehr 
fanden tausend Wege, die rigorosen Bestimmungen des Berliner 
Dekrets zu umgehen. Die französische Zollverwaltung mußte sich 
erst im Laufe der Zeit die nötige Landes- und Ortskenntnis an 
eignen, um allmählich hinter diese Schliche zu komnien. Schon 
allein das Verbot des Postverkehrs hätte ja genügt, um allen 
Handel mit England zu unterbinden. Es war aber ohne besondere 
Mühe möglich, die englische Post über Tönning nach Altona zu 
leiten, wo sich die Hamburger Kaufleute ihre Briefe abholten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.