Full text: Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

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französischer Beamten erklären. Ein doppelter Truppenkordon, 
der längs der Seeküste und der holsteinischen Grenze gezogen 
wurde, machte allmählich den Schleichhandel im Großen im Bezirk 
der 32. Division (Morand) fast zu einer Unmöglichkeit. 
Nicht zufrieden damit, ordnete Napoleon durch ein Dekret 
vom Oktober 1810 eine nochmalige peinliche Fahndung und Haus 
suchung nach verbotenen englischen Waren an. Was gefunden 
wurde, sollte öffentlich verbrannt werden! In der Tat fanden 
solche Verbrennungen im November 1810 auf dem Burgfelde bei 
Lübeck, im Dezember auf dem Grasbrook bei Hamburg und auf 
der Bürgerweide bei Bremen statt. In Hamburg wurden auf 
diese Weise Waren im Werte von über einer halben Million 
Franken vernichtet. Es machte auf die Zuschauer, sogar auf 
französische Beamte und Offiziere, einen unbeschreiblich abstoßenden 
Eindruck, wertvolle Tücher, Porzellangeschirre usw. dieser ebenso 
brutalen wie sinnlosen Maßregel zum Opfer fallen zu sehen. Der 
Haß, den diese blindwütigen Äußerungen eines starren Despotismus 
entzündeten, wog den geringen Nutzen, den sie dem Gewaltherrscher 
in feinem Kampfe gegen England boten, hundertfach auf. 
Dürfte man den Berichten der Präfekten und ihrer Unter 
gebenen glauben, so wäre die französische Herrschaft nicht nur 
mit Ruhe, sondern mit unverhohlener Befriedigung aufgenommen 
worden. Der Präfekt des Oberemsdepartements, Keverberg, ent 
blödete sich nicht, von „unbeschreiblicher Begeisterung" von „Thränen 
der Rührung" zu fabeln, mit denen ihn „ehrwürdige Greise" als 
Vertreter der Landbevölkerung begrüßt hätten. Daß dies lächer 
liche Übertreibungen eines ordenssüchtigen Beamten sind, liegt 
aus der Hand. Aufrichtige Zufriedenheit mit dem neuen Regiment 
bekundeten wohl nur die Juden, für die die napoleonische Zeit 
ja überhaupt eine goldene Ära bedeutet. Die übrige Bevölkerung 
fügte sich zum größten Teil mit niedersächsischer Ruhe in das 
Unvermeidliche. Bei der großen Friedens- und Ordnungsliebe ihrer 
neuen Untertanen hätte es eine weniger kurzsichtige Regierung, sollte 
man meinen, mit Leichtigkeit vermeiden können, hier einen der 
gefährlichsten Aufstandsherde der Erhebung von 1813 zu schaffen. 
Wohlmeinende Freunde der Hansestädte, wie Carl von Villers, 
der geborene Lothringer und lübische Adoptivbürger, glaubten 
diesen eme glänzende Zukunft unter der Herrschaft des kaiserlichen
	        
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