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Regiment hatten vorbereiten wollen, fielen als Opfer ihres Eifers,
auch unter den friesischen Bauern wurde ein furchtbares Straf
gericht gehalten. In Hamburg hatte der Senat die Verteidigungs
maßregeln nicht mit dem entschlossenen Ernste betrieben, wie sie
die Lage erfordert hätte. Am 30. Mai war die Stadt wieder
in französischen Händen und bekam nun die Rache für den vor
zeitigen Befreiungsjubel zu fühlen. Die enorme Strafkontribution
von 48 Millionen Franken wurde über sie verhängt und mit
schonungsloser Härte eingetrieben; das ebenfalls wieder besetzte
Lübeck kam mit 6 Millionen davon. In wenigen Monaten schuf
Davout Hamburg zu einer Festung ersten Ranges um, und
während Bremen im Oktober, Lübeck im Dezember, diesmal end
gültig, die französischen Truppen abziehen sahen, hatten die un
glücklichen Bewohner Hamburgs noch die Leiden des Belagerungs
winters 1813/14 zu überstehen. Die letzte französische Regierungs
maßregel, die den Hamburger Handel traf, war die, freilich durch
den Zwang der Umstände erklärliche, Entnahme der Barbestände
aus der Hamburger Bank in Höhe von 7Vs Millionen Mark Banko.
Erst am 28. April 1814, vier Wochen nach dem Einzug der
Alliierten in Paris, flatterte die weiße Fahne auf dem Michaelisturm.
Der Befreiung folgte die Wiederaufnahme des Handels auf
dem Fuße. Am 13. Mai wurde die Börse, die während der Be
lagerung als Pferdestall gedient hatte, wieder eröffnet, am 17.
langte das erste fremde Schiff, die englische „Amalia" von Hüll
im Hafen an, und in der letzten Maiwoche liefen bereits 59 Schiffe
von See her ein. In Bremen war die Schiffahrt schon im No
vember 1813 wieder eröffnet worden. Die ungeheuren Vorräte
an Kolonialwaren und englischen Fabrikaten, die auf Helgoland,
den Kanalinseln, zuletzt auch in Bremen aufgestapelt worden waren,
flössen nun »ach Hamburg ab und fanden bei zunächst sehr hohen,
später sinkenden Preisen raschen Absatz. Allmählich kamen die
alten Handels-Institutionen wieder in Gang, am Ende des Jahres
waren annähernd die normalen Handelszustände hergestellt, die
Ausnahme-Konjunktur konnte als überwunden gelten.
Es bleibt uns noch die Frage nach den Gesamtwirkungen
und den dauernden Folgen der Kontinentalsperre für die Hanse
städte zu beantworten. Von den ungeheuren Verlusten, die die
Städte seit 1803 erlitten hatten, und die allerdings nur zum Teil