— (30 —
die Zeit vor, sondern nach dem Kriege, llnb so wenig das Wort
auf das Wesen und die Stellung der Hansestädte im ganzen zu
traf, so muß man doch sagen, daß der Vorwurf jedenfalls um
1820 mit einem weit größeren Schein des Rechts erhoben werden
konnte, als etwa um 1800 oder gar um 1780. Daß aber Ham
burg und Bremen dem Binnenländer nach der napoleonischen
Epoche noch mehr als bloße Eingangspforten des englischen Handels
erscheinen konnten, als vor derselben, ist lediglich eine Folge der
Kontinentalsperre.
Von einer materiellen Förderung der Hansestädte durch die
napoleonische Wirtschaftspolitik darf man also gewiß nicht reden.
Aber wie das Unglück im Leben des einzelnen zum Segen aus-
schlagen kann, so übt es auch seine läuternde Wirkung im Leben
der Völker. Ein Gutes hatten die bitteren Erfahrungen der
Kontinentalsperre und der Franzosenherrschaft jedenfalls gehabt.
Jene faulen Träume von unbedingter Neutralität waren als
Chimären erkannt. Man begann in den Hansestädten einzusehen,
daß das Heil schließlich doch besser im Schutz eines größeren
Ganzen, als im Vertrauen auf ein vermeintliches gemein euro
päisches Interesse am neutralen hanseatischen Handel zu suchen
sei. Es genüge, um den ganzen Unterschied in der inneren Haltung
der Hansestädte zum deutschen Vaterlande vor und nach der Kon
tinentalsperre zu ermessen, zwei Äußerungen gegenüberzustellen, die
beide unter dem Einfluß Johann Smidts, des Bremer Senators,
zutage getreten sind. Ein Ungenannter schrieb 1802 in dem von
Smidt herausgegebenen „Hanseatischen Magazin" u. a.: „Ihr
(der Hansestädte) Flor, und zum Teil ihrer Existenz, stützt sich
auf das Wohlwollen aller Nationen", und weiter: „Ist aber
die Handlungs-Freiheit und dadurch auch die Selbständigkeit der
Handlungsstädte allen Mächten wichtig genug, und ein einzelner
Schutz bedenklich; könnte selbst für wichtige allgemeine politische
Verwicklungen und ausgebreitete Kriege der Reichsschutz einmal
zu unwürksam, oder gar einmal, nach einer Europäischen
Staats-Revolution, aufgelöst erscheinen, so läßt sich ja unfehlbar
das allgemeine Handlungsinteresse aller Nationen nicht sicherer,
als durch ihre allgemeine Vereinigung erreichen, um die Selb
ständigkeit dieser Städte, und also auch der Hansestädte insonder
heit, und ihre ungestörte Handlung im Kriege und Frieden zu