Full text: Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

10 Anfaiigsgründe der Volkswirtschaftslehre. 
nisse, insbesondere das der Nahrung, auf ein Mindestmaß 
einzuschränken, und sie durch Bedürfnisse höheren Ranges, 
geistige und sittliche, zu ersetzen, die weder große Ausgaben 
noch großen Luxus erfordern, die aber das Leben besser aus 
füllen können. Einfaches Leben besagt nicht Unterdrückung 
des Luxus; es bedeutet den materiellen durch geistigen Luxus 
ersetzen, und das steht in keiner Beziehung zur Wirtschaft 
der Tiere. 
Die Arbeit. Jetzt wollen wir sehn, wie die Tiere ihre 
Bedürfnisse befriedigen. Geschieht es durch Arbeit? Nicht 
bei allen: denn man kann das von den Pflanzenfressern nicht 
behaupten: Abgrasen ist keine Arbeit. Doch kann man wohl 
behaupten, daß diejenigen, die von Körnern, Beeren oder 
Wurzeln leben und die überall ein wenig herumschnüffeln 
müssen, um sich eine einträgliche Ernte zu verschaffen, eine 
Arbeit leisten. Jedenfalls muß man es von den Fleischfressern 
sagen: sie arbeiten im strengen Sinne des Wortes. Ihr 
ganzes Leben ist mit Jagd oder Fischfang ausgefüllt — das 
sind sehr wohl Arbeiten, und sogar Arbeiten, die gewaltige 
körperliche Anstrengungen erfordern. Und das Menschen 
geschlecht hat Jahrtausende lang kaum andere Arbeit geleistet 
als diese drei: Sammeln, Jagd und Fischfang. 
Gehen wir von der Nahrung zur Wohnung über, so 
finden wir, daß dies Bedürfnis bei den Tieren nicht nur 
Arbeiten erfordert, sondern wirkliche Geschicklichkeiten in 
wunderbarer Mannigfaltigkeit. Schon der Vogel ist in dieser 
Hinsicht viel fortgeschrittener als die Säugetiere. Man weiß, 
mit welcher Kunst und Liebe er sein Nest baut, und wie ver 
schiedenartig die Vogelnester sind. Es gibt sogar Vögel, wie 
z. B. die Goldamsel, die ihre Nester herstellen, indem sie 
Blätter zusammennähen. 
Aber besonders in der Wunderwelt der Insekten staunen 
wir über die verschiedenartigsten Fertigkeiten: die einen sind 
Wühltiere, andere bearbeiten Holz, andere die Erde, wieder 
andere Steine; es gibt auch welche, die Totengräber sind, 
nämlich die Aaskäfer. Eine Bienenart tapeziert ihr Nest mit 
Blütenblättern aus. Es gibt kaum einen Unterschied zwischen 
den Fertigkeiten der Tiere und denen der Menschen, außer 
daß dort jede Art nur ein Handwerk ausübt, während das 
Menschengeschlecht sie allesamt vereinigt. 
Indessen _ scheint es doch, daß zwischen der Tier- und 
Menschenarbeit ein anderer Unterschied besteht, und zwar ein 
so wesentlicher, daß man sich fragen darf, ob die erste über-
	        
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