Full text : Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

14  Anfangsgründe  der  Volkswirtschaftslehre.
die  erste  Tätigkeit  der  Aneignung,  um  eine  Sache  zu  der  seinen
zu  machen,  die,  sie  in  sich  aufzunehmen,  sie  zu  verzehren.
Man  braucht  nur  auf  die  kleinen  Kinder  zu  achten.  Wie
sie  in  ihren  Fäustchen  den  Gegenstand,  den  man  ihnen  gibt,  festhalten, ­
  und  wie  sie  schreien  oder  weinen,  wenn  man  ihn  ihnen
abnehmen  will.  Sie  besitzen  den  Instinkt  der  Aneignung  im
höchsten  Grade.  Wie  bringen  sie  ihn  zum  Ausdruck?  Indem
sie  den  Gegenstand  an  den  Mund  führen,  um  ihn  hinunterzuschlucken, ­
  weil  es  kein  besseres  Mittel  gibt,  sich  einen  Gegenstand ­
  anzueignen  als  ihn  in  sich  aufzunehmen,  ihn  in  den
Körper  einzuverleiben.  Das  tun  die  Tiere  auch.  Sie  kennen
auch  die  Aneignung  unter  dieser  Gestalt  des  sofortigen  Verzehrens.

Folgendes  sagt  ein  englischer  Naturforscher,  Thompson
Selton,  in  einem  Aufsatz  des  Century  Magazine,  vom
Februar  1908,  über  die  Sitten  der  Tiere:
„Eines  Tages  vergnügte  ich  mich  damit,  Eichkätzchen
Nüsse  hinzuwerfen;  die  Nuß  fiel  zu  Boden,  sie  gehörte  noch
niemand.  Da  stürzten  sich  alle  Eichkätzchen  auf  einmal  über
sie  her.  Aber  das  erste,  das  sie  mit  seinen  Zähnen  faßte  und
so  davon  Besitz  ergriffen  hatte,  wurde  als  rechtmäßiger  Eigentümer ­
  angesehn.  Nach  einigen  Sekunden  konnte  sein  Recht
nicht  mehr  in  Frage  stehn".
Hier  erscheint  die  Aneignung  nur  in  Gestalt  des  Verbrauchs. ­
  Aber  es  geht  noch  einen  Grad  weiter.  Es  ist  möglich,
daß  das  Tier  nicht  sofort  den  Gegenstand  verzehrt  und  ihn
beiseite  legt.  Es  gibt  Tiere,  die  das  tun,  besonders  das  Eichkätzchen, ­
  ebenso  der  Hund.  In  diesem  Augenblick,  wo  es  sich
um  den  Gegenstand  handelt,  der  nicht  sofort  verzehrt  werden
kann,  beginnt  der  wirkliche  Besitz,  in  jenem  Sinne,  daß  er  sich
auf  ein  Objekt  erstreckt,  welches  vom  Subjekt  getrennt  ist  und
sich  in  einer  mehr  oder  weniger  bedeutenden  Entfernung  von
ihm  befindet.
Hören  wir  unsern  englischen  Naturforscher  weiter:
„Wenn  es  (das  Eichkätzchen)  Hunger  hatte,  fraß  es  sogleich
die  Nuß;  wenn  es  kein  Bedürfnis  nach  Nahrung  empfand,
drehte  es  sie  drei  oder  viermal  im  Mäulchen  herum  und  versteckte ­
  sie  dann  in  seinem  Lager  für  Wintervorräte".
Und  warum  drehte  es  sie  drei  oder  vier  Mal  im  Mäulchen
herum?  Gerade  wie  das  kleine  Kind,  von  dem  ich  soeben
gesprochen  habe,  das  sofort  den  Gegenstand  zum  Munde  führt,
weil  es  ihn  herunterschlucken  möchte.  Indessen  ist  das  Eichkätzchen ­
  klüger  als  das  Kindchen.  Es  weiß  genau,  daß  es  seine
            
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