Full text : Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

80  Anfangsgründe  der  Volkswirtschaftslehre.

sich  behalten,  sondern  in  die  niedriger  gelegenen  Gebiete  abströmen ­
  lassen,  sei  es  nun  in  Gestalt  der  weißen  Kohle,  um
Dynamos  in  Drehung  zu  versetzen,  die  Städte  zu  erleuchten,
oder  um  die  Ländereien  zu  bewässern  und  die  Ernten  zum
Wachsen  zu  bringen.  Wenn  der  Reichtum  tatsächlich  bis  zu
jenem  höchsten  Grad  angewachsen  ist,  so  verwenden  ihn  seine
Besitzer  selten  zu  denselben  gewöhnlichen  Zwecken  wie  die
kleinen  Reichen  oder  die  Neureichen.  Selten  widmen  sie  ihre
gewaltigen  Vermögen  persönlichen  Vergnügungen.  Ihretwegen ­
  häufen  sie  die  Reichtümer  nicht  auf,  diese  Milliarden,
auch  nicht  für  ihre  Söhne;  denn  sehr  oft  enterben  sie  diese.
Carnegie  sagte,  es  sei  eine  Schande  für  einen  reichen  Mann,
etwas  nach  seinem  Tode  zu  hinterlassen.  Und  nicht  nur  den
industriellen  Unternehmungen  widmen  sie  ihre  Kapitalien,
auch  philantropischen  und  wissenschaftlichen  Werken.  Hunderte ­
  von  Millionen  sind  von  einem  Rockfeller  oder  einem
Carnegie  zur  Gründung  von  Bibliotheken,  Laboratorien,
Friedensinstituten  wie  demPalast  des  internationalen  Gerichtshofs ­
  im  Haag  (dem  leider  leerenst),  von  Anstalten  zur  Bekämpfung ­
  der  Tuberkulose  gegeben  worden!  Und  es  ist  noch
die  Frage,  ob  unter  einem  sozialistischen  oder  dem  von  uns
geträumten  kooperativen  System  es  möglich  sein  wird,  diese
„Ansammler"  von  Reichtümern  zu  ersetzen.  Wäre  der  Kapitalismus ­
  nur  eine  rein  parasitäre  Einrichtung  gewesen,  so
wäre  er  schon  hinweggefegt.  Wenn  er  sich  gehalten  hat,  so
nur,  weil  er  gewisse  Dienste  geleistet  hat.  Und  diese  Dienste
sind  nichts  Geringes;  er  hat  die  gegenwärtige  wirtschaftliche
Welt  geschaffen,  mit  allen  ihren  Fehlern,  das  gebe  ich  zu,  mit
all  ihren  Mißbräuchen,  aber  immerhin  hat  er  der  Welt  den
Überfluß  an  Waren  und  den  billigen  Markt  gegeben.  Wir
merken  es  erst,  wenn  wir  das  verloren  haben!  übrigens  darf
man  nicht  glauben,  daß  die  Sozialisten  die  letzten  in  der  Bewunderung ­
  der  Leistungen  des  Kapitalismus  für  die  Wirtschaftsordnung ­
  sind.  Ich  meine  wenigstens,  die  gut  unterrichteten. ­
  Zunächst  wissen  sie  sehr  wohl,  daß  ohne  den  Kapitalismus ­
  der  Sozialismus  nicht  entstanden  wäre.  Dieser  ist  ein
Abkömmling  von  jenem,  Karl  Marx  von  Ricardo,  und  das
würde  ihm  allein  von  ihrer  Seite  eine  gewisse  Dankbarkeit
sichern.  Daher  wollen  sie  auch  gar  nicht  das  kapitalistische  Gebäude ­
  umstürzen,  sondern  sich  nur  darin  unter  Ausschluß  der
Kapitalisten  festsetzen.

*)  Siehe  Anmerkung  Seite  7.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.