Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Pflanzenasche.

195

die  Masse  behält  eine  lockere  Beschaffenheit.  Sobald  die  Gasentwicklung  großenteils
aufhört,  steigert  man  unter  öfterem  Durchrühren  mit  dem  Platinspatel  die  Hitze
allmählich,  jedoch  keineswegs  bis  zum  Glühen,  und  bewirkt  dadurch  in  der  Regel,
daß  die  Kohle  in  der  lockeren  Masse  vollständig  verbrennt,  wenigstens,  wenn  man
es  mit  Aschenarten  zu  tun  hat,  welche,  wie  die  der  meisten  Futterkräuter,  Holzarten ­
  und  Eübenarten,  reich  sind  an  kohlensauren  Salzen  und  wenn  die  Hitze  sorgfältig ­
  geregelt  worden  ist,  so  daß  ein  Schmelzen  der  Asche  in  keiner  Weise  stattfindet. ­
  Palls  jedoch  eine  vollständige  Verbrennung  der  kohligen  Teilchen  bei
derartigen  Pflanzen  langsam  und  schwierig  erfolgt,  so  erreicht  man  sie  fast  ohne
Ausnahme,  wenn  man  die  kohlige  Masse  in  der  Platinschale  mit  einem  Pistill
zerdrückt,  letzteres  mit  Wasser  abspült,  die  mit  Wasser  angefeuchtete  kohlige
Masse  im  Wasserbade  eintrocknet  und  weiter  glüht.  Oder  man  zieht  die  kohlige
Masse  besonders  bei  solchen  Pflanzenaschen,  welche,  wie  die  phosphorsäure-  und
kieselsäurereichen,  entweder  leicht  zusammensintern  oder  schwer  verbrennen,  mit
Wasser  aus,  verbrennt  den  auf  einem  tunlichst  aschenfreien  Filter  verbliebenen
kohligen  Rückstand  weiter,  vereinigt  die  so  weißgebrannte  Asche  mit  der  wässerigen
Lösung,  verdampft  das  Ganze  zur  Trockne,  glüht  schwach  und  wägt.
Vielfach  sind  auch  die  Muffelöfen  (aus  Ton,  Eisenblech,  Platinblech)  zur
Veraschung  in  Gebrauch,  die  den  Vorteil  haben,  daß  man  gleichzeitig  mehrere  Veraschungen ­
  vornehmen  und  durch  die  stärkere  Luftzufuhr  ein  schnelleres  Weißbrennen
erzielen  kann.  Hierdurch  sind  dann  aber  auch  leicht  Verluste  sowohl  an  Substanz
w ie  durch  Verflüchtigung,  besonders  von  Chloriden,  bedingt,  zumal  wenn  gleichzeitig
hoch  erhitzt  wird;  in  letzterem  Falle  tritt  dann  auch  leicht  ein  Zusammenschmelzen
der  Asche  ein.
Am  einfachsten  lassen  sich  die  kohligen  Aschenrückstände  weiß  brennen  und
von  Kohlenresten  durch  Anwendung  eines  schwachen  Stromes  von  Sauerstoffgas ­
  befreien.  Man  bereitet  das  Sauerstoffgas  sehr  rasch  und  einfach  aus
Wasserstoffsuperoxyd 1 )  unter  Zusatz  von  etwas  Ammoniak  und  allmählichem
•Zufluß  von  Kaliumpermanganat-Lösung.  Das  Sauerstoffgas  wird  aus  einem  kleinen
Gasometer  mittels  eines  Gummischlauches  und  einer  in  eine  Spitze  ausgezogenen
Glasröhre  in  sehr  schwachem  Strom  auf  die  schwach  geglühte  kohlehaltige  Masse
geleitet,  indem  man  die  Glasröhrchenspitze  in  der  Schale  herumführt.  Auf  diese
Weise  verbrennt  die  Kohle  sehr  ruhig,  ohne  daß  viel  Sauerstoff  verbraucht  wird.
H -  Wislicenus 2 )  durchfeuchtet  nach  möglichst  weitgehender  Verbrennung  der  Kohle
die  zurückbleibende  Substanz  mit  geringen  Mengen  einer  3  °/ 0 -igen  Wasserstoffsuperoxydlösung, ­
  läßt  damit  ein  wenig  quellen,  gibt  von  neuem  Wasserstoffsuperoxydlösung ­
  zu  und  trocknet  langsam  auf  dem  Sandbade  ein;  die  getrocknete  Masse
wird  vorsichtig  weiter  erhitzt.  Diese  Behandlung  wird  so  lange  wiederholt,  bis
S1 ch  keine  Reste  von  Kohle  mehr  finden.
Mitunter  wird  auch  zum  Weißbrennen  der  Asche  bei  gelinder  Hitze
Ammoniumnitrat  in  kleinen  Mengen  zugesetzt,  indes  findet  hierbei  leicht  ein
Verstäuben  der  Asche  aus  der  Schale  statt.  -  Auch  die  vorgeschlagenen  Sauerstoffdberträger:
  Eisenoxyd,  Wismutnitrat,  Calciumplumbat  empfehlen  sich  nicht.
Um  ein  Verstäuben  von  Aschenbestandteilen  bei  der  Veraschung  zu  verhindern,
kezw.  um  die  Verflüchtigung  von  Stoffen  festzustellen,  sind  von  H.  Wislicenus, 2 )
')  Aus  100  com  des  30  volumprozentigen  Wasserstoffsuperoxyds,  etwa  30  ccm  Kalium-Pennanganat-Lösung
  (2,3  g  in  1  1)  und  etwas  Ammoniak  gewinnt  man  etwa  3 l / 2  1
Sauerstoff.
2 )  Zeitschr.  f.  anal.  Chemie  1901,  40,  441.

13*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.