Ein- und Ausfuhr.
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Im Bezug der Rohstoffe wird England sehr durch den Umstand unterstützt,
daß seine Kolonien und Schutzgebiete fast alle gleichzeitig große Produzenten
an Rohstoffen der Textilindustrie sind.
Von den im Jahre 1913 eingeführten 978186 t roher Baumwolle kommen
212500 t aus Ägypten, Britisch-Indien und Britisch-Afrika.
Von den eingeführten 362663 t roher Wolle kommen 292135t aus Austra
lien, Neuseeland, Britisch-Südafrika, Britisch-Indien und Ägypten.
Der Bedarf an Rohjute wird ganz von Britisch-Indien gedeckt.
Nur Rohseide wird weder im Inlande noch in den Kolonien gewonnen,
und damit hängt es vielleicht zusammen, daß der Seidenindustrie in England
nur eine geringere Rolle zufällt.
Halbfabrikate.
Bei einer verhältnismäßig niedrigen Einfuhr ist die Ausfuhr an Halb
fabrikaten sehr bedeutend. Die Hälfte aller aus den europäischen Staaten aus
geführten Halbfabrikate wird von England geliefert.
Baumwolle. In der Ausfuhr Englands an Halbfabrikaten ist die Baum
wollindustrie am stärksten vertreten. Ausgeführt wurden 1913 rohe Garne für
260,4 Mill. Mark, gebleichte und gefärbte Game für 46,2 Mill. Mark, rohe
Baumwollgewebe für 559,3 Mill. Mark.
Bei den Garnen handelt es sich teils um billige Sorten, die in die ver
schiedenen Exportländer gehen, teils um feine oder gezwirnte Garne, die an die
europäischen Länder geliefert werden; solche Garne gingen z. B. 1913 nach
Deutschland im Werte von 104,4 Mill. Mark.
In England haben sich bekanntlich die Feinspinnereien in ganz besonderem
Maße entwickelt. Im Jahre 1913 waren in Englands Spinnereien 59,3 Millionen
Spindeln beschäftigt, während Deutschlands Baumwollindustrie, die annähernd
zwei Drittel so groß als die englische ist, nur mit 11,4 Millionen Spindeln arbeitet.
Die Ausfuhr der gebleichten und gefärbten Game im Werte von 46,2 Mill.
Mark geht vornehmlich nach den überseeischen Ländern, fast die Hälfte davon
nach Britisch-Indien.
Die Ausfuhr der rohen Gewebe im hohen Werte von 559,3 Mill. Mark
beruht darauf, daß Englands Baumwollindustrie auf diese Artikel ein großes
Gewicht legt, um ihren Spinnereien und Webereien die Massenproduktion zu
ermöglichen. Britisch-Indien allein bezog 1913 für 323,4 Mill. Mark, China für
57 Mill. Mark; England liefert diese Artikel fast nach allen Exportländern.
Feinere rohe Baumwollgewebe gehen auch nach den europäischen Ländern;
von diesen bezog 1913 Deutschland für 15,5, die Schweiz für 30,7 Mill. Mark.
Wolle. In der Einfuhr ist die bedeutendste Position Streichgarne, von
denen im Jahre 1913 für 69,2 Mill. Mark eingeführt wurden. Zum größten Teile
stammen diese aus Frankreich und Belgien, aber auch Deutschland ist mit
8,6 Mill. Mark an der Einfuhr beteiligt,