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Textilindustrie Großbritanniens.
Es ist von Interesse, hier nachstehende Daten aus der irländischen
Leinenindustrie anzuführen, welche einer Mitteilung des internationalen Bundes
der Flachsspinner entstammen J ).
Die irische Leinenindustrie ist hauptsächlich in der Provinz Ulster konzentriert
und breitet sich hier über den Norden der Insel aus. Ulster samt der Metropole
Belfast nehmen auf dem Gebiete der Leinenfabrikation eine ähnliche Weltstellung
ein, wie etwa Lancashire mit Manchester auf dem Felde der fabriksmäßigen Ver
arbeitung der Baumwolle. Exportiert werden die Erzeugnisse vornehmlich nach
den Vereinigten Staaten, welche allein so viel Ware aufnehmen, als alle übrigen
Staaten zusammen. 1895 waren an der Aufnahme der Ausfuhr die Vereinigten
Staaten mit 53,4 Proz., 1900 mit 48,7 Proz., 1905 mit 50,9 Proz. und 1910 mit
51 Proz. beteiligt. In Stückware betrug die Quote 1912 52,46 Proz. Hingegen
ist der Anteil an Segeltüchern verschwindend klein. Das meiste darin empfangen
Australien, Indien und auch Deutschland. In karierten, bedruckten, gefärbten
und geblümten Artikeln sowie Damasten bezieht Amerika zwischen einem
Drittel und einem Viertel der gesamten Ausfuhr, den Rest Australien, Brasilien,
Kuba, Kanada und Argentinien, wogegen die glatte und rohe, nicht gebleichte
Ware zu zwei Dritteln nach den Vereinigten Staaten, kleinere Mengen
nach Indien, Deutschland, Kuba, Brasilien, Japan, Ägypten, Australien und
Kanada gehen. In konfektionierten Fabrikaten übertrifft der Bedarf Amerikas
alle anderen Länder zusammen.
Den besten Markt für Zwirne bildet Australien. Amerika kommt an zweiter
Stelle. Das bedeutendste Spinnunternehmen ist das derFirma J. & T. M. Greeves Ltd.
in Belfast mit 70 000 Spindeln, während die meisten Stühle, 1800, William
Ewart & Son Ltd. in Belfast beschäftigen. Eine weitere große Firma ist die
York Street Flax Spinning Co. Ltd. in Belfast mit 63000 Spindeln und
1000 Webstühlen. Sie wird an Spindeln und Webstühlen zwar von anderen
Fabriken übertroffen, mit Rücksicht auf Vereinigung von Spindeln und Stühlen,
ferner eigener großer Bleicherei, Ausrüsterei usf. ist sie aber unerreicht.
Die Handweberei behauptet sich noch einigermaßen in den Gegenden von
Down, Armagh, Antrim und Lisburn. Sie beschäftigt sich meistens mit der
Herstellung einiger Spezialitäten. Nachdem die Konkurrenz des mechanischen
Stuhles in den glatten Geweben am schärfsten ist, sieht sich ein großer Teil der
noch vorhandenen Handweber veranlaßt, Beschäftigung in besonders schweren
Damasten und blumiggemusterten Stoffen zu suchen. Die Tagesleistung eines
Handstuhles beträgt bis 4 Yards solcher Ware und darüber, bewegt sich aber
im Durchschnitt um 2 bis 3 Yards herum. Nach Schätzungen beliefen sich die
Jahresarbeitslöhne aller irischen Handweber 1893 auf die Summe von 220 000 £,
1910 aber nur noch auf 55000 £. Die Firma John S. Brown & Sons Ltd.
in Lurgan führt in ihrem Verzeichnis neben 950 mechanischen Stühlen noch
750 Handwebstühle an.
J ) Österr. Wollen- und Leinenindustrie 1914, S. 104 und 1912, S. 436.