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Argentinien.
Produktion der Textilindustrie Argentiniens.
Baum Wollindustrie. Die Baumwollindustrie Argentiniens ist nicht bedeutend;
immerhin existieren 10 bis 12 Fabriken, die Baumwolle verarbeiten, darunter
eine bedeutende Baumwollspinnerei und mehrere Webereien. Nach einer vor
liegenden Schätzung hatte Argentinien im Jahre 1910 90 000 Spindeln und
1200 Webstühle, doch ist die Schätzung der Webstühle als zu niedrig an
zunehmen, da unter den obenerwähnten 10 bis 12 Fabriken sich eine Anzahl
größerer Webereien befindet.
Die argentinischen Fabriken erzeugen vornehmlich billigere Baumwoll-
gewebe, in etwas stärkerem Maße auch Wirkwaren.
Wollindustrie. Diese ist in Argentinien viel bedeutender als die Baumwoll
industrie. Die Zahl der fabrikmäßig betriebenen Wollwebereien wird auf 33
geschätzt; daneben gibt es noch eine große Anzahl Kleinbetriebe, in denen
Ponchos, Decken usw. hergestellt werden. Sowohl Tuche, Cheviots, Flanelle,
Ponchos, Decken als auch sonstige Woll- und Iialbwollgewebe werden im Inlande
hergestellt. Besonders auch die Hutfäbrikation hat sich sehr stark entwickelt.
Es ist anzunehmen, daß etwa zwei Drittel des Bedarfes von der inländi
schen Industrie und ein Drittel durch Einfuhr gedeckt werden.
An der Einfuhr von Woll-Fertigwaren ist England mit 33,5 Mill. Mark am
stärksten beteiligt, dann folgen Deutschland mit 10,6 und Frankreich mit
6,6 Mill. Mark.
Seidenindustrie. Eine solche ist in Argentinien nicht vertreten.
Leinen- und Juteindustrie. Nach der Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten
ist eine Leinen- oder Juteindustrie nur in geringem Maße vorhanden, dagegen
ist die Einfuhr an Jutesäcken für Verpackungszwecke eine sehr bedeutende.
Ein- und Ausfuhr von Textilwaren im Jahre 1913.
Einfuhr. Argentinien hat unter den südamerikanischen Ländern die
größte Einfuhr an Fertigwaren, weil es als reiches Land über einen hohen
Inlandsverbrauch an Textilwaren verfügt.
Die Einfuhr an Rohstoffen ist unwesentlich, nur Flachs wird für
1 Mill. Mark eingeführt. Die sonstigen für die Baumwoll- und besonders auch
für die Wollindustrie benötigten Rohstoffe werden im Inlande gewonnen.
Die Einfuhr an Halbfabrikaten erstreckt sich auf Baumwollgarne, roh
und gefärbt, im Werte von 12,5 Mill. Mark, und zwar ist die verhältnismäßig
große Menge an gefärbten Garnen bemerkenswert. An Wollgarnen wurden für
5,2 Mill. Mark eingeführt.
Die Einfuhr an Fertigwaren beträgt 267 Mill. Mark, wovon auf Baum-
wollwaren 127,1, auf Wollwaren 57,3, auf Seidenwaren 31,2, auf Leinenwaren 13,5,
auf Jutewaren 8,5 und auf Konfektionswaren 29,4 Mill. Mark entfallen. Die
Einzelheiten ergeben sich aus den nachfolgenden Tabellen, doch sei zur Er
gänzung dieser folgendes bemerkt: