Full text: Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

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Britisch-Indien.' Produktion und Einfuhr. 
1908 wurden noch 424000 Spindeln und 9000 Webstühle neu eingestellt, 1912 
dagegen nur lOÖOOO Spindeln und 3600 Webstühle. Parallel damit geht der 
Wert der Maschineneinfuhr nach Bombay zurück, der von 19 Mill. Mark 
1908 auf 10 Mill. Mark 1911 sank. Alles dies sind jedoch nur Zeichen einer 
vorübergehenden Depression, unter der die indische Baumwollindustrie in den 
letzten Jahren zu leiden hatte. Man erwartet von 1912 an wieder einen Auf 
schwung, und diese Erwartung hat unter anderem auch in einer Reihe von 
Gründungen neuer Fabriken'Ausdruck gefunden, davon drei allein in der Stadt 
Bombay. 
Am 30. Juni 1912 gab es in ganz Indien 268 Fabriken mit 6,46 Mill. 
Spindeln und 89 000 Webstühlen. Von den Spinnereien befanden sich 86 in der 
Stadt Bombay, 59 in dem etwa 480 km nördlich davon gelegenen Ahmedabad 
und 30 in der übrigen Präsidentschaft Bombay, auf die 70 Proz. aller Spindeln 
und 77 Proz. aller mechanischen Webstühle Indiens entfielen. 
Japan, der wichtigste Konkurrent Indiens, besaß am 1. Januar 1912 
2,17 Mill. Spindeln, von denen jedoch nur 1,8 Mill. in Betrieb waren, und 
20 000 Webstühle. Jeden Monat wurde durchschnittlich 25 Tage gearbeitet, und 
an jedem Tage betrug die Arbeitszeit 22y 2 Stunden, während in Indien nach 
dem neuen Fabrikgesetz, das seit dem 1. Juli 1912 in Kraft ist, in Baumwoll- 
und anderen Textilfabriken nur 12 Stunden täglich gearbeitet werden darf. Die 
japanische Gamproduktion betrug daher trotz der viel geringeren Spindelzahl 
rund 226500 t gegenüber 312570 t in Indien. 
Eine große Umwälzung wird die Baumwollindustrie Bombays durch die 
Eröffnung des neuen Tataschen Kraftwerkes erhalten, das etwa in einem Jahre 
fertiggestellt werden dürfte. Insgesamt wird das Tatawerk 1914 etwa 35000 Pferde 
kräfte liefern können. Von den 86 Spinnereien Bombays mit ihren 3 Mill. Spin 
deln und 45 000 Webstühlen werden dann 900000 Spindeln und 7500 Webstühle 
elektrisch betrieben werden, dazu kommen noch zwei Weizenmühlen. Für die 
Versorgung der gesamten Textilindustrie Bombays mit elektrischer Kraft würden 
alles in allem 90000 bis 100 000 Pferdekräfte erforderlich sein, während das 
Tatawerk, auch wenn es voll ausgebaut ist, nur 50 000 leisten kann. 
Wirkwaren. Die indische Einfuhr an baumwollenen Wirkwaren betrug 
1912 9,2 Mill. Rupies. Über zwei Drittel kommen davon aus Japan, das in 
diesem Artikel nicht nur die ausländische, insbesondere die deutsche Konkurrenz 
zurückgedrängt hat, sondern sogar die eigene Produktion Indiens, trotzdem es 
den Rohstoff dazu aus Indien selbst einführen muß. 
Die Wollindustrie. 
Die Wollindustrie ist in Indien 1 ) — soweit es sich um Fabrikbetriebe 
handelt — von untergeordneter Bedeutung. Die Zahl der mechanisch betriebenen 
Fabriken beträgt fünf mit ungefähr 916 Webstühlen und 34669 Spindeln. Be 
schäftigt wurden 4013 Arbeiter. Der Wert der Produktion wird auf 7,4 Mill. Mark 
b Berichte über Handel u. Industrie XXII, März 1915.
	        
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