Inlandsrohstoffe. Produktion.
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sischen Rohseide ist nicht so gut wie die aus Japan; sie wird aber wesentlich
höher eingeschätzt als die chinesische. Dabei ist noch in Betracht zu ziehen,
daß die besseren Qualitäten meist im Inlande verarbeitet werden. Der
bedeutendste Handelsplatz für Kokons und Rohseide ist Ghilan. — Über die
Menge, die im Inlande verarbeitet wird, liegen statistische Angaben nicht vor.
Im erwähnten Bericht der österr.-ung. Gesandtschaft wird die jährliche Gewinnung
an Kokons auf 4 500 bis 5 OOO t, bzw. die der Rohseide auf 500 t geschätzt, und
diese Zahl dürfte in annäherndem Umfange auch zutreffend sein.
Produktion der Textilindustrie Persiens.
Eine eigentlich fabrikmäßig betriebene Textilindustrie ist nicht vorhanden;
die Hausindustrie ist aber sehr stark entwickelt. So spinnen beispielsweise die
Frauen Woll- oder Baumwollgarne mittels ihres Spinnkreisels in ganz ähnlicher
Weise wie bei uns die Frauen stricken, und auch die Männer treiben die gleiche
Beschäftigung zum Zeitvertreib. Daneben werden Wollgarne und besonders auch
Baumwollgarne in großen Mengen aus dem Auslande eingeführt.
Baumwollindustrie b. Rohe Baumwollstoffe werden nur wenig mehr in Klein
betrieben hergestellt, weil sich diese durch Einfuhr aus Rußland und England
billiger stellen; dagegen werden eingeführte rohe und gebleichte Baumwollstoffe
viel bedruckt, und zwar ausschließlich mittels Handdruck. Hauptartikel der
persischen Handdruckereien sind die verschiedenfarbigen leichten Musselinstoffe,
die mit schwarzem Ornamentaufdruck für Kopf- und Badetücher hergestellt
werden. Ferner buntbedruckte Schale, Vorhänge und Wandbekleidungs
stoffe. Im allgemeinen werden von der Bevölkerung die einheimisch bedruckten
Stoffe vorgezogen.
Wollindustrie. Diese stellt in großen Mengen Teppiche, Schale und Über
würfe her. Nach einem sehr eingehenden Bericht des deutschen Handelssach
verständigen 1 ) gehört zu jedem guten Anzug des Persers ein Leib schal, der teils aus
Seide, Halbseide, besonders aber aus feiner Wolle gefertigt und an seinen Rändern
mit bunten Handstickereien verziert ist. Solche Schale ohne Stickerei gibt es für
8 bis etwa 30 Mark pro Stück, während schon der mittelbegüterte Perser häufig
einen solchen im Werte von 60 bis 200 Mark trägt und die reicheren Perser
Stücke im Werte von 500 bis 800 Mark besitzen. — Der mantelartige Überwurf
ist ein rechteckiges Kleidungsstück, dessen hintere Hälfte aus einem Stück und
dessen vordere Hälfte aus zwei Stücken, die um den Hals herum etwas aus
geschnitten sind, bestehen.
Teppiche. Diese werden wohl nirgends fabrikmäßig hergestellt, aber
durch den großen Bedarf ist die im ganzen Lande verbreitete Teppichknüpferei
dazu übergegangen, für den Export zu arbeiten 1 ). Die wichtigsten Teppich
gebiete sind: Chorassan, Azerbeidjan, Ferghana mit Sultan Abbas, Kaschan,
Kirman, Fars und Kurdistan.
b Berichte über Handel und Industrie 1910, S. 237, 235 u. £. und 233.
Kertesz, Textilindustrie sämtlicher Staaten. 41