Full text: Die deutsche Wirtschaft

Das Handwerk im Rahmen der Volkswirtschaft, 111 
jeder Handwerksbetrieb des Innungsfaches im Innungsbezirk angehören 
muß, 
Die Aufgaben der Handwerkskammern und der Innungen liegen 
hauptsächlich in der Erziehung des Nachwuchses (Lehr- 
lingsrollen, Überwachung der Lehrverträge, Gesellen- und Meister- 
prüfung, gewerbliches Schulwesen) und in der gutachtlichen Tätigkeit 
zu allen Fragen des Handwerks, Handwerkskammern und Innungen 
beschäftigen sich somit mit Gesetzentwürfen und Verordnungen des 
Reiches und der Länder, mit Gutachten und Anträgen an Behörden 
aller Art, mit Errichtung und Förderung von Innungen, Genossen- 
schaften und Fach- und Fortbildungsschulen, auch Buchführungs- und 
Meisterkursen, mit Ausstellungen für das Handwerk, Berufsberatung, 
Lehrstellenvermittlung, Arbeitsnachweisen, Sie fördern Unter- 
stützungs- und Krankenkassen, namentlich Innungskrankenkassen, 
unterhalten außergerichtliche Schiedsstellen (Güteverfahren), ernennen 
gerichtliche Sachverständige, beeinflussen das Verdingungs- und Ver- 
gebungswesen, errichten Steuerberatungsstellen und erörtern mündlich 
und schriftlich, allgemein aufklärend, aber auch statistisch und wissen- 
schaftlich die Handwerkerfragen. 
Es sei erwähnt, daß das heute noch geltende Gesetz vom Jahre 
1897 in absehbarer Zeit durch ein neues — die sogenannte Reichs- 
handwerksordnung — abgelöst werden dürfte. Den Kernpunkt 
dieses Reichsgesetzes, das als amtlicher Entwurf schon vorliegt, bildet 
die sogenannte Pflichtorganisation. KErhält das Gesetz 
Rechtskraft, so wird das ganze deutsche Handwerk in Pflichtinnungen 
organisiert, Volkswirtschaftlich gewinnt dies Gesetz Bedeutung, weil 
es den Handwerksstand als einheitlich geschlossenen Stand den 
andern selbständigen Berufsarten entgegenstellt und als klar erkenn- 
baren Faktor in die Volkswirtschaft eingreifen läßt. 
IV, Umiang der Produktion. 
Eine Statistik über die Gesamtproduktion des Handwerks oder 
seinen Ertragswert gibt es bisher nicht. Gewisse Anhaltspunkte 
gewinnt man daraus, daß heute etwa 10 Millionen Menschen in Deutsch- 
land unmittelbar durch das Handwerk ernährt werden dürften. Hierin 
eingeschlossen sind Meister, Gesellen und Lehrlinge, die Familien der 
Meister und der verheirateten Gesellen. Nach neueren Ermittelungen 
kann ferner angenommen werden, daß sich die Jahresproduktion des 
deutschen Handwerks auf etwa ein Drittel der Gesamtproduktion des 
Reiches beläuft, 
Als Binnenproduzent ist das Handwerk notwendig für die lokale 
Verteilung aller Güter, die nicht durch die Maschine oder den Handel
	        
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