gesessenen Arbeiterstande zu tun haben, der neben seiner Entlohnung
noch eine geringe Ernährung aus seinem eigenen Besitz ziehen kann.
Vorsitzender: Sie haben ia dort diese Hauberggenossen-
schaften. Die Genossenschaftsanteile sind auch zu einem guten Teile
in Händen der Arbeiter. Aber sie bringen wohl nichts ein?
Sachverständiger Willing: Sie bringen im Augenblick gar
nichts mehr ein: sie waren naturgemäß eine Zeit lang, als die Sach-
werte sehr wertvoll waren, außerordentlich begehrt und haben auch
für die damalige Zeit eine recht beträchtliche Rente abgeworfen. Heute
ist aber leider die Lohgerbung als solche erledigt, und es bleibt nur der
Nutzungswert dieser Holzstangen, der sehr gering ist.
Vorsitzender: Ich möchte nunmehr Herrn Einecke bitten,
uns die besonderen Verhältnisse des Lahn- und Dillbezirks zu schildern.
Sachverständiger Einecke: Es bestehen nur in einigen Punkten
Abweichungen von den Verhältnissen des Siegerlandes. Zunächst haben
wir im Lahn- und Dillgebiet keine Erzgänge, sondern wir haben Lager,
sogenannte Flöze. In der gleichen Zeit, in der die Erzgänge im Sieger-
land entstanden sind, hat sich im Lahn- und Dillgebiet eine große
Mulde gebildet, in die die Erze wie in ein kalkhaltiges Meer abgelagert
worden sind, und zwar als Flöze. Nun haben wir aber nicht den Vorteil
des Siegerlandes, daß wir Erze von 40 bis 50° Metall gehabt hätten,
sondern unsere Erze haben vorwiegend einen Metallgehalt von 35°.
Dadurch, daß nun die horizontal lagernden Flöze durch die Bewegungen
der Erdrinde in lauter Stücke zerrissen wurden, ist es den Atmosphä-
rilien möglich gewesen, den diesen Flözteilen zugesetzten Kalk auf-
Zulaugen, und auf diese Weise ist ein 25prozentiger Stein, der im
Höchstfalle bie zu 42° geht, geschaffen worden. Stellen Sie sich
einmal dieses Erz gegenüber einem Material vor, wie es im Siegerland
gewonnen wird, so werden Sie ohne weiteres erkennen, daß die wirt-
schaftliche Lage des Lahn- und Dillgebiets bei sonst gleichen Bedin-
Zungen an sich wesentlich schwerer ist als die des Siegerlandes.
Vorsitzender: Sie haben die gleiche Subvention bekommen?
Sachverständiger Einecke: Ja, wir haben die gleiche Sub-
vention erhalten, haben aber auch in der gleichen Weise die Preise
um 2 RM. senken müssen. Das ist für uns insofern unangenehm, als
das Siegerland an sich einen wesentlich höheren Preis, nämlich genau
das Doppelte, bekommt. Wir bekamen ursprünglich einen Preis von
10 RM und mußten ihn um 2 RM auf 8 RM. kürzen.
Vorsitzender: Woran liegt das? Hat das Siegerland einen
besseren Markt für sein Produkt?
Sachverständiger Einecke: Die Siegerländer Erze sind Spezial-
erze und haben einen hohen Mangangehalt. Dieser Mangangehalt macht
8 möglich, daß man die Erze zu Spezialpreisen verwerten kann, Da-
durch bekommt man einen wesentlich günstigeren Preis. Nun aber
hat das Siegerland bedeutend höhere Selbstkosten, weil es ein härteres
Erz gewinnt als wir und viel größere Teufen hat. Unsere Teufen
u Enq.-Aussch. Ill. Rohstoffvers. d. deutsch. eisenerzeug. Ind.
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