Wir glauben also, daß auch in der Zukunft von irgendeiner Seite
geholfen werden muß. Diesbezügliche Anträge haben wir sowohl an
den Herrn Reichsarbeitsminister wie an die Verwaltung der deutschen
Reichsbahn, an den preußischen Herrn Finanzminister und an den Herrn
Reichsfinanzminister gehen lassen, in denen wir gebeten haben, uns
weitere Erleichterungen zu verschaffen. Das Wohl und Wehe der
ganzen Landstriche basiert auf dem Bergbau. Die Landstriche sind
ziemlich dicht bevölkert, und zwar von einer eingesessenen Bevölkerung,
die nebenbei ein kleines Stück Feld besitzt, und die außerordentlich
schwer verpflanzbar erscheint. Außerdem ist die Rohstoffindustrie
Jieses Gebietes, also die Hüttenindustrie und die Weiterverarbeitung
abhängig von der Grundlage der Erze.
Das Lahn- und Dillgebiet stellt an und für sich ein sehr armes
Land dar. Es ist sehr hoch gelegen, im Druchschnitt über 300 m und
ist bestanden mit Buchenwald. Es sind nur ganz enge, schmale, schlucht-
artig eingeschnittene Täler vorhanden, in denen nur eine ganz geringe
Landwirtschaft möglich ist. Die ganze Bevölkerung würde dem Elend
Preisgegeben sein, wenn sich die Grundlage der Industrie dieses Gebietes
Nicht aufrecht erhielte.
Bei den Werken ist außerordentlich viel getan worden, um die
Leistung der Einzelwerke zu steigern. Diese Leistungssteigerung hat
auch einen gewissen Erfolg gehabt. Durch die Leistungssteigerung
ist erreicht worden, daß man die Mehrbelastungen, die in der Zwischen-
zeit dem Gebiet auferlegt worden sind, etwa ausgleichen konnte.
‚Vorsitzender: Auf welche besonderen Ursachen ist. die
Leistungssteigerung zurückzuführen?
Sachverständiger Willing: Die Leistung im. Erzbergbau ist
Naturgemäß von den Aus- und Vorrichtungsarbeiten abhängig, von den
Aufsuchungsarbeiten, die ich vorhin geschildert habe. Die geologischen
Verhältnisse haben — wenn ich das Gesamtgebiet betrachte — eine
Änderung nicht erfahren. Es. sind einzelne Vorkommen, wie das bei
diesen zerrissenen Gangstücken ganz natürlich ist, geringer geworden;
dafür sind andere Gangstücke besser geworden. Man muß dabei aller-
dings berücksichtigen, daß das Gesamtniveau des Bergbaues von Jahr
Zu Jahr etwa 20m in die Teufe rutscht. Für die zurückliegende Zeit
Ist diese Teufe etwas geringer. Bei normaler Förderung rutscht der
Bergbau 20 m pro Jahr. Das bedeutet: ich muß alles, was ich hinein-
bringe, 20 m tiefer hinunterlassen; ich muß besonders das Wasser aus
Siner um 20m größeren Tiefe heraufheben. Die Wassermenge nimmt
Naturgemäß von Sohle zu Sohle um einen gewissen Prozentsatz zu.
Es sind also zweifellos keine geologischen Verhältnisse, die die
Leistungserhöhung herbeigeführt haben. Die Leistungserhöhung war
außerordentlich groß in der zweiten Hälfte des Jahres 1926 und in dem
Ersten Viertel des Jahres 1927. Das hängt damit zusammen, daß man
Zunächst bei den Gruben den Abbau beschleunigte. Man fing also
Wieder an, Stein zu gewinnen, und erst allmählich hat sich die Aus- und
Vorrichtung, die ja abhängig ist von dem Niederbringen der. Schächte,
Wieder eingefädelt. Ich kann eine Sohle erst aus- und vorrichten, wenn ich
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