Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 89
unter den Auspizien christlichen Gottesbewußtseins, denn sie bot
dieses Gottesbewußtsein als fundamentales Element ohne weiteres,
und sie präjudizierte, nach dieser Richtung hin jedes Ausbaues
völlig bar, in keiner Weise irgendeiner Stellungnahme zu den
positiven Errungenschaften des naturwissenschaftlichen Empi—
rismus. Der Philosoph dieser Synthese aber war Leibniz.
Gottfried Wilhelm Leibniz ist als Sohn eines Leipziger
Universitätsprofessors am 21. Juni 1646 geboren worden.
Frühreif habilitierte er sich in Leipzig, gab aber die akademische
Laufbahn bald auf und trat 1668 in die politischen Dienste
des Mainzer Kurfürsten Joseph Philipp von Schönborn. Von
hier aus lernte er Paris und London kennen, überall schon
gefeiert und weiter lernend, übrigens zeitweis mit dem Ent—
schluß, sich dauernd in Paris niederzulassen. Doch nahm er
schließlich, einem Rufe des Herzogs von Hannover folgend,
eine Stelle als Rat-Bibliothekar an diesem Hofe an. Und hier
entfaltete er nun seine von jeher unglaublich vielseitige Tätig—
keit zu höchstem Gelingen. Er erfand und veröffentlichte 1684
die Differentialrechuung, er war als Chemiker in der Dar—
stellung des Phosphors tätig, er machte seine geognostischen
Kenntnisse dem Bergbau des Herzogtums dienstbar. Er begann
als Historiker eine kritische Geschichte des Welfenhauses und
gab als Jurist große Sammelwerke heraus. Er war endlich als
politischer Publizist wie praktischer Staatsmann tätig und er—
eiferte sich aufs lebhafteste für eine allgemeine Vereinigung der
christlichen Bekenntnisse. Gegen Ende des Jahrhunderts am
Welfenhofe nicht mehr in alter Weise gelitten, übertrug er
einen großen Teil seiner Tätigkeit nach Berlin, wo er eine
philosophische Schülerin, die geistreiche hannöversche Prinzessin
Charlotte, als Gemahlin des letzten kurfürstlichen und ersten könig⸗
lichen Hohenzollern wiederfand. So kam es im Jahre 1700
zur Begründung der Berliner Akademie der Wissenschaften,
deren erster Präsident Leibniz wurde. Und von diesem festen
Punke aus zur Begründung der Petersburger Akademie der
Wissenschaften, sowie zu Versuchen, auch in Wien und