fullscreen: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

(28) 1840 März . 
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Mädchen hat sie in der Revolutionszeit auf dem Altar als Göttin der 
Vernunft gesessen und die Verehrung empfangen, die jetzt die Bönnischen 
Leute der Räson versagen. Auch Genien der Vernunft laufen hier noch 
als Philister umher. So ist ein Professor von der Universität als Kind 
; ein solcher Genius gewesen und hat auf dem Markte und dem Altar der 
Vernunft getanzt. Nun! Göttin der Vernunft! Genien der Vernunft! 
Solcher Schätze kann sich keine andere preußische Universität erfreuen. 
Neulich habe ich auch den Wisch von Fischer „Idee der Gottheit“ ge- 
lesen und hätte dadurch beinahe einen Skandal gehabt, wenn ich nicht 
jo mit Besonnenheit den Sturm ausgehalten hätte. Ein Prof. Theol. hatte 
mir das Ding geliehen, und als ich es ihm zurückbrachte und auf seine 
Anfrage sagte, wenn ein Mensch bloß seine Forderungen und Bedürf- 
nisse ausspreche, so sei damit eine so ungeheure Philosophie noch nicht 
gestürzt, brach er mit Elias-Eifer über mich her und sagte mit rot- 
glühendem Gesicht: es sei ihm ein Bedürfnis, seinen ganzen Abscheu 
vor einer gottlosen Philosophie auszusprechen, und immer donnerte er 
weiter, indem er ein furchtbares (schrecklich-unsinniges) Resume der 
Hegelschen Philosophie wie ein Kapuziner ableierte. Da dieser Philister 
ein bedachtsloser, hitziger Eiferer ist, bedurfte es meiner ganzen Ruhe und 
» Unerschütterlichkeit, um kein Unheil zu verursachen. Einen Mann in der 
Art von Bedürfnissen sprechen zu hören, kam mir in der Tat so lächerlich 
vor, als wenn jemand in einer gebildeten Gesellschaft sagen wollte, er 
hätte das Bedürfnis, seinem Nachbar in die Tasche zu pissen. Um dem 
Ungewitter alle Folgen zu nehmen, brachte ich es durch ein stunden- 
langes Gespräch dahin, daß der Mann mir zugestehen mußte, einem 
großen System gegenüber sei es nicht genug, bloß ein paar Sätze hinzu- 
stellen. Der Wisch von Fischer ist jämmerlich elend. Was macht Deine 
Farce: Fischer vapulans? Die Zeit wird immer furchtbarer und schöner. 
Mache doch nur, daß Du aufstehst. Die politischen Interessen sind änder- 
1 wärts freilich größer, aber die Interessen, die das ganzeLeben interessieren, 
sind nirgends so reich und so mannigfach verschlungen wie in Preußen. 
Der Protestantismus und die katholische Kirche, die gerade durch die 
bisherigen Leiden zum Selbstbewußtsein gekommen ist, soweit sie es 
kommen kann, dazu das Zwischenspiel des Hermesianismus. Die evan- 
ı5 gelische Union, die sich immer mehr auflösen wird, weil sie gerade nur 
dazu gedient hat, die Gegensätze wieder zur Wahrheit zu bringen! Überall 
das Hervorgehen von den entschiedensten Gegensätzen und das vergebliche 
chinesische Polizeisystem, das sie vertuschen will und nur dazu beiträgt, 
sie zu stärken. Endlich die Philosophie, die sich gerade in dieser chine- 
@ sischen Unterdrückung emanzipiert und den Kampf leiten wird, während 
der Staat in seiner Verblendung die Leitung aus der Hand gibt! Es ist 
noch nie in einem Staate soviel zu tun gewesen. Beendige doch endlich 
Dein Zaudern und Deine saumselige Behandlung eines Unsinns und einer 
bloßen Farce, wie das Examen ist. Wenn Du nur erst hier wärest und 
5 wir uns über mehr besprechen könnten, als das Papier ertragen kann. 
Lebe wohl 
Dein B. Bauer. 
Bonn, den 1. März 40.
	        
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