fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Neuntes Buch. Erstes Kapitel. 
der Zeiten wieder; und spätere Geschlechter haben die alljahrs 
stattfindende symbolische Vermählungsfeier des Dogen mit dem 
Meere bis auf ihre Anregung zurückgeführt. 
Die Ausführung des Friedens ergab keine Schwierigkeiten. 
In Deutschland blieben die schismatischen Bischöfe unbehelligt, 
in Italien ward der Papst von Christian von Mainz mit großem 
Pompe nach Rom zurückgeführt. 
Um so tiefer griffen die mittelbaren Wirkungen des Friedens 
in Deutschland. Friedrich war jetzt der kirchlichen Sym— 
pathieen sicher; niemals bisher hatte er gleich unumschränkt über 
die Pfaffenfürsten geherrscht. Es war der natürliche Gang der 
Ereignisse, daß er auf sie nunmehr seine Gewalt ganz zu 
gründen begann, um so mehr, als sich mit diesem Ziele die 
Bestrafung Heinrichs des Löwen, des Hauptes der fürstlichen 
Laiengewalten, naturgemäß verband. 
Die geschichtliche Forschung übersieht nicht völlig zweifellos 
auch nur die wichtigsten Einzelheiten des Prozesses, den Fried⸗ 
rich bald nach seiner Heimkehr vor dem Fürstengericht gegen 
Heinrich anstrengte; als nahezu sicher erscheint, daß Heinrich im 
Verfolg dieses Rechtsgangs auf einem Hoftage zu Kaina 1179 
geächtet worden ist. Alsbald zeigte sich Friedrich jedenfalls in der 
Lage, die Acht zu vollstrecken. Im Sommer 1180 erschien er 
mit einem stattlichen Heere nördlich des Harzes, sicherte den Reichs 
besitz und nahm die braunschweigischen Burgen des Löwen. 
Darauf fielen die sächsischen und bairischen Vasallen von Hein— 
rich ab; auch aller diplomatischen Hilfe von außen bar sah er 
sich auf sich allein angewiesen; er ging nach Nordalbingien 
zurück, in die äußersten Gebiete seiner Herrschaft. Aber der 
Kaiser folgte ihm. Im Sommer 1181 geschah das lang nicht 
Erlebte; der Herrscher des Reiches erschien heeresstark an 
der Elbe, nahm Ratzeburg ein und zwang Heinrich zur 
Flucht nach Stade, ja er ging auf koloniales Gebiet über und 
machte Lübeck, den Augapfel Heinrichs, nach strenger Belagerung 
zu einer freien Stadt des Reiches. 
Heinrich beugte sich diesen Erfolgen. Am 27. November 
1181 unterwarf er sich auf einem Fürstentage zu Erfurt, de—
	        
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