Full text: Die Landwirtschafts-Genossenschaften Sowjet-Rußlands

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nossenschaften zu staatsbildenden Faktoren für den proletarischen 
Staat geworden; er fördert sie mit allen Mitteln. 
Hat je ein Staatsoberhaupt so von der Ge 
nossenschaft gesprochen, wie Genosse Lenin 
von den Kooperativen? 
Aus seinem allerletzten Artikel in der „Prawda“ in Moskau 
sind diese bedeutsamen Sätze zitiert: 
Dank der Besonderheit unserer Staatsordnung kommt der Genossenschaft 
eine vollkommen ausschließliche Bedeutung zu. Ich will das erklären. Worin 
besteht das Phantastische in den Plänen der alten Kooperatoren, angefangen 
bei Robert Owen? Darin, daß sie von der friedlichen Umwandlung 
der heutigen Gesellschaft in eine sozialistische träumten, ohne solche Grund 
fragen wie die Frage des Klassenkampfes, der Eroberung der politi 
schen Macht durch die Arbeiterklasse, des Sturzes der Herrschaft 
der Ausbeuterklasse in Betracht zu ziehen. Und darum hatten wir 
Recht, als wir in diesem „kooperativen" Sozialismus nichts anderes als eine 
romantische, abgeschmackte Phantasie fanden: Träumereien darüber, wie man 
durch eine einfache Kooperierung der Bevölkerung die Klassenfeinde in Klassen 
mitarbeiter und den Klassenkrieg in einen Klassenfrieden (den sogenannten 
Bürgerfrieden) verwandeln könnte. Diese alten Genossenschafter begreifen 
nicht die grundlegende Bedeutung des politischen Kampfes der Ar 
beiterklasse für den Sturz der Ausbeuterherrschaft. Bei uns ist dieser Sturz, 
vollbracht und jetzt ist vieles davon, was in den Träumen der alten Genossen 
schafter phantastisch und romantisch war, die nackteste Wirklichkeit geworden. 
Aber betrachten wir nun, wie sich die Sache jetzt geändert hat, da sich 
die Staatsmacht in den Händen der Arbeiterklasse befindet, wo die politische 
Macht der Ausbeuter gestürzt ist, und alle Produktionsmittel der Arbeiter 
klasse gehören (außer jenen, die der Arbeiterstaat auf eine Zeit den Aus 
beutern freiwillig und bedingt und in Konzessionen überläßt). 
Jetzt haben wir das Recht, zu sagen, daß das Wachsen der Koopera 
tionen für uns (unter dem oben erwähnten „kleinen" Vorbehalt) gleich 
bedeutend ist mit dem Wachsen des Sozialismus. 
Gleichzeitig müssen wir eine grundlegende Aenderung unseres ganzen 
Standpunktes bezüglich des Sozialismus zulassen. Diese grundlegende Aenderung 
besteht darin, daß wir bis jetzt das Hauptgewicht auf den politischen 
Kampf, auf die Revolution, auf die Eroberung der Macht legten und legen 
mußten; jetzt aber (nach dem Klassensieg. Red.) muß das Hauptgewicht auf 
die friedlic-he organisatorische ^kulturelle" Arbeit ver 
legt werden. Ich möchte sagen, der Schwerpunkt geht bei uns auf die Kultur 
arbeit über, abgesehen von den internationalen Beziehungen, wo ein Haupt 
gewicht auf der Pflicht beruht, unsere Positionen im internationalen Maßstabe 
zu verteidigen. Diese Kulturarbeit unter der Bauernschaft, als wirtschaftliches 
Ziel, wird gerade durch die Kooperierung besorgt. Unter den Bedin 
gungen der völligen Kooperierung würden wir schon mit 
beiden Füßen auf sozialistischem Boden stehen. Aber diese 
Bedingungen der völligen Kooperierung setzen eine solche kulturelle Stufe der 
Bauernschaft (namentlich der Bauernschaft als einer Riesenmasse) voraus, daß 
diese Kooperierung ohne eine Kulturrevolution unmöglich ist. 
Unsere Gegner haben uns öfters gesagt, daß wir die unüberlegte Arbeit der 
Verwirklichung des Sozialismus in einem Lande mit mangelhafter Kultur unter 
nommen haben. Sie haben sich aber darin geirrt, wenn sie glaubten, uns vor 
werfen zu können, daß wir die Arbeit nicht von jener Seite begonnen haben, 
wie es nach der verkehrten Theorie (verschiedener Pedanten) hätte geschehen 
sollen. Bei uns war der politische und der soziale Umsturz nur der Vorgänger 
(und die unerläßliche Vorbedingung! Red.) jenes kulturellen Umsturzes, jener 
Revolution, an deren Schwelle wir jetzt stehen.
	        
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