1]. Der Markt von Lübeck
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waren, das Risiko eines solchen Unternehmens nach Gewinn- und Verlust-
seite hin auf sich zu nehmen. Dieser individualistisch-unternehmende Zug
ist das Wesentliche für die Frühzeit lübischer Geschichte®). Daß diese Männer
irgendeine Form des Zusammenarbeitens gefunden haben müssen, ist selbst-
verständlich; daß diese Form nach Art mittelalterlicher Verhältnisse durch
Eidschwur besiegelt wurde und dadurch im Zusammenhang mit allem
anderen den Charakter der Gilde bekam, ist mehr als wahrscheinlich.
II
Wer auf dem Lübecker Marktplatz des 13. und 14. Jahrhunderts stabile
Verhältnisse anzutreffen hofft, wird sich nach den Ausführungen des zweiten
Abschnitts enttäuscht sehen: alles ist in Fluß. So wenig wie in den schnell
sich entwickelnden Städten der Gegenwart ist in einer Gründungsstadt wie
Lübeck in ihrer Frühzeit — und die reicht bis über die Mitte des 14. Jahr-
hunderts — mit stabilen Verhältnissen zu rechnen. Es ist vielleicht einer der
bedenklichsten Trugschlüsse mancher wirtschaftsgeschichtlichen Betrach-
tung, Ruhe und Gleichmäßigkeit da anzunehmen, wo in Wirklichkeit Be-
weglichkeit und Gegensätzlichkeit bestanden, bedingt durch den Wechsel
entgegengesetzter und sich schnell ablösender Gesichtspunkte und Not-
wendigkeiten.
Statistische Schlußfolgerungen werden auf diese Weise erschwert; immer-
hin nicht unmöglich gemacht. Nur wird man stets mit ihrer zeitlichen Be-
grenztheit zu rechnen haben.
Das gilt zunächst von der Feststellung des Marktbudeneigentums in
Privatbesitz. Bei der ersten Tabelle des Anhangs sind für jede einzelne Bude
die am frühesten nachweisbaren Eigentumsverhältnisse zugrunde gelegt;
von den später eintretenden dauernden Verschiebungen konnte hier nur
der Übergang aus dem Eigentum der alten Familien in neue Hände fest-
gehalten werden, allerdings ein sehr wichtiges Datum. Soweit diese frühesten
Eigentümer Familien angehörten, die noch im 13. Jahrhundert im Rate
saßen, sind sie für sich in einer besonderen Tabelle behandelt worden; den
über sie gemachten Angaben in der statistischen Tabelle entsprechen die
roten Flächen auf der Karte.
Auf 29 Familien verteilen sich also im ganzen 141 Marktbuden. An der
Spitze steht die Familie Campsor mit 21% Buden, ihr folgen die Stalbuks
mit 15, die Bocholts mit 14, die Bremen mit 11 und die Parchim mit 10 Buden.
Die übrigen Familien lassen sich nur für weniger als 10 Budengruppen als
früheste Eigentümer nachweisen.
Schon im zweiten Abschnitt ist darauf hingewiesen, daß nicht alle am
Markteigentum beteiligten Familien des ausgehenden 13. Jahrhunderts,
auch wenn sie im Rate sitzen, ohne weiteres als unmittelbare Nachfahren