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«Le comte Apponyi contre Tezner et son ecole » 1 und
« Das ungarische Verfassungsrecht und die Theorien Tezners
und Turbas» 2 zum Teil ausdrücklich, zum Teil implizite,
daß bei Erörterung dieser Probleme nicht nur die « zünf
tigen Gelehrten» der ungarischen staatsrechtlichen Lite
ratur, sondern sogar die führenden Staatsmänner des
ungarischen Staates frei von jedem politischen Neben
geschmack, in der Rüstung der staatsrechtlichen Wissen
schaft ins Feld ziehen. Dagegen ist es nach der im Tone
wissenschaftlichster Entrüstung anhebenden Verdächtigung,
die Graf Julius Andrässy der Jüngere gegen die
österreichischen «Schriftsteller» ausspricht, nicht ein
staatsrechtliches und historisches Interesse, sondern ein
politischer Zweck, der diese leitet. So in seinem drei
bändigen Werk «A magyar ällam fönmaradäsänak es alkot-
mänyos szabadsägänak okai» 3 [Die Ursachen des Fort
bestandes und der konstitutionellen Freiheit des ungari
schen Staates]. Die in der « Ungarischen Rundschau » 4
erschienene Abhandlung «JLJngarns rechtliche Selbständigkeit
von 1526 bisdesselben Verfassers ist zwar eine Über
setzung des elften Kapitels seines dritten Bandes, allein trotz
dieser, leider nur ausnahmsweise und leider nur bruchstücks-
oder probeweise vorkommenden deutschen Ausgabe einer
madj arischen Publikation bleibt für den tiefer grabenden
Arbeiter auf diesem Felde schon aus allgemein wissenschaft
lichen Grundsätzen die Pflicht bestehen, auch das in der
Muttersprache des Autors veröffentlichte Original zu
lesen, in vollem Zusammenhänge der Darstellung. Im be
sonderen ist auf die Abweichungen aufmerksam zu machen,
1 In der « Revue de Hongrie », herausgegeben von der «Societe
litteraire franfaise de Budapest», Jahrg. V [1912], Bd. IX, S. 30-44.
2 In der von Gustav Heinrich, dem Generalsekretär der
ung. Akademie der Wissenschaften, unter Mitwirkung von Viktor
Concha, Josef Hampel, Ludwig von Thallöczy herausgege
benen Vierteljahresschrift «Ungarische Rundschau für historische
und soziale Wissenschaften», Jahrgang I [1912], S. 713-730.
3 Budapest 1901-1911, Bd. III, S. 413 f.
4 Jahrg. I, S. 229-297.