Full text : Denkschrift betreffend die Neuregelung der handelspolitischen Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten von Amerika

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Kommt  von  außen,  namentlich  durch  die  Abkehr
Deutschlands  von  der  bisher  den  Vereinigten
Staaten  gegenüber  beobachteten  Haltung,  ein  weiterer ­
  Druck  hinzu,  so  wächst  die  Wahrscheinlichkeit, ­
  daß  wir,  wenn  nicht  sofort,  so  doch  in  nicht
allzu  langer  Zeit  zu  einem  Tarifvertrag  mit  der
Union  kommen,  um  ein  bedeutendes.
In  diesem  Sinne  unterbreiten  wir  die  folgenden
Wünsche  verschiedener  deutscher  Industrien,  wie
sie  uns  bei  einer  von  uns  veranstalteten  Enque'te
zugeflossen  sind,  der  Berücksichtigung.
*  *
*
Des  Allgemeinen  ist  Folgendes  zu  sagen.
Die  Sätze  des  Dingleytarifes  sind,  —  es  ist
dies  ein  offenes  Geheimnis,  —  bei  manchen  Industrien ­
  von  allem  Anfang  an  höher  angesetzt
worden,  als  man  eigentlich  beabsichtigte.  Man
wollte  eben  einen  Tarif  schaffen,  dergegebenenFalls
eine  zwanzigprozentige  Minderung  vertrug  und  auch
dann  noch  die  fremde  Einfuhr  stark  hintanhielt,
aucli  dann  noch,  zum  Teil  mit  prohibitiver  Wirkung, ­
  der  heimischen  Industrie  einen  ausreichenden ­
  Zollschutz  bot.  Man  beachte  weiter  die  Struktur ­
  des  amerikanischen  Tarifes,  welcher  vielfach
-  namentlich  in  der  Textilindustrie  —  die  Durchschnittsware, ­
  das  billigere,  für  den  großen  Konsum ­
  berechnete  Erzeugnis  mit  einem  höheren
Zoll  trifft,  als  das  feine,  hochwertige,  nur  für  einen
kleinen  Kreis  von  Verbrauchern  in  Betracht  kommende ­
  Produkt.  Der  amerikanische  Tarif  verrät
an  verschiedenen  Stellen  deutlich  die  Tendenz,  die
heimische  Industrie  vorerst  zur  Befriedigung  des
Gros  des  Konsums  zu  befähigen,  damit  sie  sich,  von
dieser  breiten  Basis  aufsteigend,  langsam  auch  der
Gewinnung  des  Marktes  in  feineren  Fabrikaten
zuwende.  Man  muß  sich  diese  Tatsachen  vor
Augen  halten,  um  ermessen  zu  können,  was  für
einen  Nutzen  uns  die  Minderung  der  amerikanischen ­
  Zölle  auf  manche  Industrieerzeugnisse
brächte.  Ein  Abschlag  um  20  °/ 0  vom  jetzigen ­
  Tarif  käme  im  großen  und  ganzen  nur
solchen  Industrien  und  Erzeugnissen  zugute, ­
  bei  denen  Deutschland  gegenüber
der  amerikanischen  Fabrikation  einen  Vorsprung ­
  insofern  hat,  als  die  billigeren  Löhne
hierzulande  nicht  durch  größere  Verwendung ­
  von  Maschinen  drüben  kompensiert
werden;  bei  Fabrikaten,  in  denen  verhältnismäßig ­
  noch  viel  Menschenarbeit  steckt,  und
wo  eben  die  hohen  Löhne  drüben  uns  noch
den  Wettbewerb  ermöglichen.  Wo  dies  nicht
zutrifft,  also  z.  B.  in  billigeren  und  mittleren  Qualitäten ­
  der  Tuch-  und  Seidenindustrie,  in  maschinell ­
  hergestellten  Produkten  der  Lederindustrie
usw.,  da  wäre  eine  durch  einen  Vertrag  erzielte
Minderung  der  amerikanischen  Zölle  um  20  %
            
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