Puder
351
Putschuk
nannten Bestandteile wirklich enthalten und nicht
nur künstlich gefärbt oder aromatisiert sein.
Puder (frz. Poudre, engl. Powder) sind kos
metische Pulvermischungen, welche dazu die
nen, übermäßige Fettigkeit oder Feuchtigkeit
der Haut aufzusaugen und der Haut eine zarte
Färbung zu verleihen. Als Grundstoffe finden
meist feines Stärkemehl, Talkum, Magnesium
karbonat, bei Streupulvern auch Lykopodium
Anwendung. Kosmetische Puder werden vielfach
mit Veilchenwurzel oder anderen Riechstoffen
Parfümiert und, je nach Wunsch, gefärbt, doch
dürfen hierzu nur giftfreie Farben, z. B. Karmin,
Karthamin, Zinkweiß, verwandt werden. Andere
zu Heilzwecken bestimmte P. erhalten Zusätze
von medizinischen Stoffen oder, wie Fußstreu-
Pulver, zur Beseitigung übler Gerüche, von
antiseptischen Mitteln (Borsäure, Salizylsäure).
Die berühmtesten P. wurden früher in Frank
reich und England hergestellt, sind aber jetzt
von den deutschen Erzeugnissen völlig erreicht.
Pulsatillenkraut (lat. Herba pulsatillae, frz.
Herbe de pulsatille, engl. Wind flowers) wird im
Mai zur Blütezeit von zwei verwandten Ra-
nunkulazeen: Anemone pulsatilla und Ane
mone pratensis, gesammelt, die m Europa und
Asien weit verbreitet Vorkommen. Die erstere,
die gemeine Küchenschelle hat einzelne auf
rechtstehende, an der Außenseite stark seiden-
haarige Blüten von hellvioletter Farbe. Die Blü
ten der anderen, der Wiesenanemone, sind weit
größer, überhängend und schwarzviolett gefärbt.
Das frische Kraut enthält als wirksamen Bestand
teil das brennend scharfe Anemonin (Ane
monen- oder Pulsatillenkampfer), C 15 PI 12 0 6 , das
sich beim Trocknen zersetzt, und wird daher
Ausschließlich zur Bereitung von Extrakt und
Finktur benutzt. Das trockene Kraut ist geruch
los und fast ohne scharfen Geschmack und muß
vorsichtig, nicht zu länge, aufbewahrt werden.
Pulver wie Auszüge finden beschränkte Anwen
dung gegen Asthma, Keuchhusten, Kopfschmer
zen und Star.
Pulufaser (Pulu), die braune Haarbekleidung
der Stämme und Blattstielbasen mehrerer tro
pischer Baumfarne, namentlich der Gattung
Zibotium, die von den Sandwichinseln und
Sumatra zu uns kommt, wurde früher als Polster
material empfohlen, hat sich aber wegen ihrer
Brüchigkeit nicht bewährt.
Pumpernickel, ein aus dem ganzen Korn her-
Sestelltes dunkelbraunes bis schwarzbraunes Brot,
das in Nordivestdeutschland, besonders bei Mün
ster und Osnabrück, das allgemeine Nahrungs-
orot bildet, wird aus geschrotenem, nicht ge
deuteltem reinen Roggen durch einen langen,
*6—20 Stunden dauernden Gärungsprozeß mit
Sauerteig und 16—zästündige Einwirkung der
Dfenhitze bereitet. Die großen, bis zu 30 kg
schweren Brote haben einen kräftigen aroma
tischen Geruch und Geschmack, werden aber
tde alle Vollkornbrote wegen des hohen Roh-
tasergehaltes (1,50—2,000/0) nur unvollständig aus-
Senutzt. Der Wassergehalt beträgt etwa 42 0/0,
der Gehalt an Stickstoffsubstanz gegen 70/0. Die
ms Delikatesse in runden oder viereckigen Blech
dosen versandten P., die meist schon in Scheiben
beschnitten sind, werden ebenfalls aus dem ganzen
Korn, aber unter geringerer Säuerung und
mit Zusatz von Zucker hergestellt.
Punschessenzen ■ (P.-Extrakte) sind zur
schnellen und bequemen Bereitung von Punsch
bestimmte Flüssigkeiten, die aus weißem, mit
Wasser gekochten Zucker und Rum, Arrak oder
Rotwein, oft auch mit Zusätzen von Fruchtsäften,
Wein- oder Zitronensäure, Alkohol und Gewürzen
hergestellt werden. Die Bezeichnung muß ihrer
Zusammensetzung entsprechen, der Alkoholgehalt
ist so zu bemessen, daß der nach Vorschrift ver
dünnte trinkfertige Punsch noch io—12% Al
kohol enthält. Als Rotweinpunsch bezeichnete
Erzeugnisse dürfen die im Weingesetze verbote
nen Stoffe (Stärkesirup, Farbstoff, Salizylsäure)
nicht enthalten. — Punschpulver sind gering
wertige Erzeugnisse der Kriegsindustrie, die meist
aus gefärbten, schwach aromatisierten Gemischen
von Zucker und etwas Weinsäure bestehen. —
Punschwürfel (Grog-W.), durch Zusatz von
Gelatine in feste Form gebrachte Mischungen
von Zucker, Essenzen, Farbe und etwas Alkohol.
Wegen des meist viel zu geringen Alkoholgehaltes
sind sie von den Gerichten durchweg als ver
fälscht oder nachgemacht beurteilt worden.
Purgatin, ein neueres Abführmittel, besteht
aus Trioxydiazetylanthrachinon.
Purree (Piuri, Indischgelb, Jaune Indien,
Indian yellow) ist der Handelsname einer aus
Ostindien eingeführten weichen und leicht zer
drückbaren Masse von außen dunkelbrauner,
innen tief orangegelber Farbe und eigentüm
lichem tierischen, an Bibergeil erinnerndenGeruch,
über deren Ursprung noch nicht völlige Klarheit
herrscht. Während die meisten Fachleute an
nehmen, daß die Ware aus dem Harn mit
Mangoblättern gefütterter Kühe hergestellt wird,
betrachten andere sie wegen der Abwesenheit
von Stickstoff als einen mit Magnesia eingedick
ten Baumsaft. Als färbender Bestandteil ist
eine gelbe Pflanzensäure, die Euxanthinsäure,
CjgHigOi!, in Form des Magnesiumsalzes vor
handen. Die Farbe wird in der feinen Öl
malerei benutzt, ist aber durch die Teerfarbstoffe
nahezu verdrängt worden.
Puro, ein Nährpräparat (Fleischsaft ?), sollte
nach Angabe des Erfinders, Dr. Scholl, durch
Ausziehen von fettfreiem Fleisch unter hohem
Druck und Eindampfen des mit Suppenkräutern
versetzten Extraktes bis zum Sirup dargestellt
werden. Es enthält neben den Fleischbasen auch
erhebliche Mengen löslicher Stickstoffsubstanzen
in Form von Albumosen und wurde von zahl
reichen Ärzten empfohlen. Durch eingehende
Untersuchungen von Prof. Gruber ist nachgewie
sen worden, daß die Angaben des Herstellers
auf Unwahrheit beruhen-, P. enthält kein Fleisch
eiweiß, sondern besteht im wesentlichen aus
einem Gemisch von Eieralbumin mit Fleisch
extrakt.
Putschuk (Costus), die Wurzel einer distel-
artigen Pflanze, Auklandia Costus. die auf
den Gebirgen um Kaschmir wächst, wird im
September oder Oktober, wenn die Pflanze zu
welken anfängt, ausgegraben, in Stücke zer
schnitten und ohne weitere Zubereitung zur Aus
fuhr gebracht. Von demPendschab aus geht der
größte Teil nach Bombay sowie nach Hindostan
und China. Die Chinesen verbrennen die Wurzel