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Vergleich zu Berlin sehr köpfereich. Die Frauen und Mädchen, die
zu den Angehörigen der in der Landwirtschaft tätigen Personen
zählen, lösen sich ebenfalls nicht von den Familienhaushaltungen loS.
Von 1000 Personen gehörten in Berlin 5,6 zur Landwirtschaft, im
Regierungsbezirk Arnsberg dagegen 140,6 Personen. Ferner tritt
die Gruppe der Mädchen, die häusliche Dienste oder wechselnde Lohn
arbeit verrichtet und gerade der sozialen Korruption im hohen Grade
ausgesetzt ist, im Vergleich zu Berlin sehr in den Hintergrund. In
Berlin gehörten dieser Bevölkerungsgruppe von 1000 Personen
42,7 an, in Arnsberg 13,3. Von 1000 ortsanwesenden Personen ge
hörten im Regierungsbezirk Arnsberg der Industrie und dem Berg
bau 645,4 an, in Berlin nur 535,4. Die ortsanwesenden Personen,
die zum Handel, Verkehr und zu den öffentlichen Diensten gerechnet
werden, sind in Berlin natürlich doppelt und dreifach so zahlreich
wie im Regierungsbezirk Arnsberg.
Arnsberg mit seinen geschlossenen kinderreichen Familien wies
eine viel geringere erwachsene Bevölkerung auf wie Berlin. (Be
völkerung über 15 Jahre.) In Berlin betrug 1900 die erwachsene
Bevölkerung 1 271 977, in Arnsberg 1 111 033.
Große Gruppen der weiblichen erwachsenen Bevölkerung Arns
bergs sind mit den Familienhaushaltungen ihrer Eltern fest ver
knüpft. Die Bevölkerungsgruppe der Landmädchen untersteht den
gleichen geschlechtlich-sittlichen Verhältnissen wie die Landmädchen
im Deutschen Reiche.
Die unverheiratete industrielle Arbeiterklasse geht wie die länd
liche frühzeitig geschlechtliche Beziehungen zu den weiblichen An
gehörigen ihrer eigenen Klasse ein. Der industrielle Arbeiter ruft
auf dem Prostitutionsmarkte niemals eine große Nachfrage nach
feilen Mädchen hervor. Er perbindet sich eng und schon relativ zeitig
mit seinen Klassengenossinnen. Paul Gühre hat in seiner trefflichen
/ Arbeit: „3 Monate Fabrikarbeiter" den sexuellen außerehelichen
! Verkehr der männlichen und weiblichen Angehörigen der Arbeitcr-
! klaffe als eine häufig geübte Sitte nachgewiesen. Als entehrend
Uvird von den Arbeitern nur die Hingabe des Mädchens der prole
tarischen Klasse an einen Angehörigen einer höheren sozialen Klasse
Empfunden, da diese Hingabe häufig noch einen materiellen Vorteil
für das Mädchen einschließt.
Ueberschauen wir nochmals die eigenartigen sozialen Verhält
nisse der Bevölkerung Arnsbergs, so können wir aus diesen heraus
eine relativ geringe Nachfrage nach Prostituierten, weil die Gruppe
der industriellen und landwirtschaftlichen Bevölkerung sehr aus
gedehnt ist, konstatieren, und ferner ein geringes Angebot von
Frauen für den käuflichen Liebesverkehr, weil sich die weibliche Be
völkerung in festen Familienverhältnissen befindet, im Handel, im
Verkehr und in der Industrie sehr spärlich auftritt und die Dienst
botenklasse von nur verhältnismäßig geringer Ausdehnung ist. In
Berlin sind die zahlungsfähigen Angehörigen der liberalen Berufs-