Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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treibenden  Welt  vielfach  bedürfnisreiche,  putz-  und  vergnügungssüchtige ­
  Frauenspersonen,  welche  bekanntermaßen  der  Verführung
häufig  sehr  zugänglich  und  der  Gefahr  besonders  ausgesetzt  sind,
der  Prostitution  anheimfallen.  Auch  kleine  Handwerker  und  Arbeiter
mit  geringem  Verdienst  und  vielen  Kindern,  denen  eine  sorgsame
Erziehung  und  Ueberwachung  nicht  zuteil  werden  kann,  wohnen  hier
auf  engem  Raum  dicht  zusammengedrängt."
Ja  der  eiserne  Zwang  grau-elender  Erwerbsverhältnisse  treibt
die  schlecht  gestellten,  kinderreichen  Proletarierfamilien  direkt  in  die
Prostitutionsquartiere  hinein.  Nach  einer  Mitteilung  der  Kölner
Stadtverwaltung  an  die  „Deutsche  Gesellschaft  zur  Bekämpfung  der
Geschlechtskrankheiten"  mieten  sich  die  mit  zahlreichen  Kindern
gesegneten  Arbeiterfamilien  „mit  Vorliebe  (!!)  in  Dirnenquarticren
ein,  weil  sie  anderwärts  mit  ihren  vielen  Kindern  von  den  Hauseigentümern ­
  nicht  aufgenommen  werden  und  in  den  durch  die  Anwesenheit ­
  bezw.  die  Nachbarschaft  der  Dirnen  in  ihrem  Mietwerte
herabgedrücktcn  Häusern  verhältnismäßig  billige  Wohnungen  finden."
Der  häusliche  Herd  der  Arbeiterfamilie  stößt  somit  vielfach  in
der  Großstadt  direkt  an  das  Zimmer  des  Fräuleiys,  das  Tag  und
Nacht  Herrenbesuche  empfängt.  Das  Fräulein  rauscht  vielleicht  gar
mit  ihren  männlichen  Besuchern  durch  die  Küche  oder  Wohnstube
der  Arbeiterfamilie.  Der  Nachahmungstrieb  der  Kinder  verfällt  auf
das  Nachäffen  all  der  koketten  Manieren  der  Dirne,  mit  der  sie
ja  in  eine  unmittelbare  Berührung  treten.  Aber  nicht  nur  die
Sitten,  nein  auch  die  Sittlichkeit  großer  proletarischer  Bevölkerungsbestandteile ­
  wird  durch  den  ständigen  Verkehr  mit  der  Prostitution
untergraben.
HI.  Die  venerische  Verseuchung  der  Großstädte
durch  die  P  r  o  st  i  t  u  t  i  o  n.
Vom  seelenmörderischen  Einfluß  der  Prostitution  auf  die  verschiedenen ­
  sozialen  Klassen  redeten  die  vorhergehenden  Zeilen.  Aber
an  der  systematischen  Korruption  der  sozialen  Psyche  läßt  sich  die
Prostitution  nicht  genügen.  Sie  ergreift  den  Körper  des  gesellschaftlichen ­
  Organismus  und  schlägt  ihn  mit  Krankheit  und  Tod.  Aus
den  Liebesumarmungen  der  Prostituierten  wachsen  die  lebenzerrüttenden ­
  Geschlechtskrankheiten  empor.
Die  Geschlechtskrankheiten  machen  vielfach  den  Schoß,  aus  dem
die  Menschheit  verjüngt  auferstehen  soll,  unfruchtbar,  nehmen  dem
Manne  die  Manneskraft  und  töten  das  Kind  oft  im  Mutterleibe.
Das  seuchenhafte  Auftreten  der  Geschlechtskrankheiten  in  unseren
Großstädten  ist  stets  an  die  Existenz  einer  umfangreichen  offenen
und  geheimen  Prostitution  gebunden.  Daher  sind  die  Geschlechtskrankheiten ­
  im  wesentlichen  ein  städtisches  soziales  Phänomen,  eine
Erscheinung  der  Groß-  und  Fremdenverkehrsstädte.
In  Dänemark  waltet  ein  ziemlich  freier  sexueller  Verkehr  in
der  Landbevölkerung.  Die  Untersuchung  von  Rubin  und  Westergaard
            
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