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Sittenpolizei will er ein sozialhygicnisches Institut zur unentgeltlichen
Ueberwachung und Behandlung der nicht kontrollierten Dirnen
aufbauen. Mädchen, die sich jenem Institute und seinen Anordnungen
unterstellen, bleiben von jeder sittenpolizeilichen Ucberwachung
verschont. Das Kontrollmädchen, das sich freiwillig den
Anordnungen des sozialhhgienischen Instituts fügt, wird sofort
aus der sittenpolizeilichen Kontrolle entlassen.
In der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten"
hat neben den Professoren Neisser und Lesser ■ Herr
Dr. Blaschko den Ruf eines tiefgründigen, wissenschaftlich-fruchtbaren
Fachgelehrten und eines außerordentlich erfolgreichen Praktikers.
Nun, Dr. Blaschko hat nach einer Jahrzehnte umspannenden
wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Problem der Prostitution
prinzipiell mit dem System der Reglementierung der Prostituierten
gebrochen. In seiner grundlegenden Arbeit über die „Hygiene der
Prostitution und venerischen Krankheiten" kam Dr. Blaschko zu
dem wichtigen Ergebnis, daß die statistischen Daten aus den verschiedensten
Staaten und Städten Europas mit oder ohne Reglementierung
keinen deutlichen Einfluß dieser auf die Verbreitung der
Geschlechtskrankheiten in der männlichen Bevölkerung erkennen
lassen. Dieses negative m Ergebnis kann nach Blaschko durch schlechte
Statistiken nicht bedingt sein. Es würde doch von den vielen Ziffern
wenigstens die eine oder die andere , einen deutlichen, zweifellosen
Ausschlag zugunsten der üblichen Reglementierungssysteme geben
müssen. Ilnd dies läßt nach Blaschko einen weiteren Schluß zu:
„Die Resultate der Reglementierung können offenbar in sanitärer
Beziehung nur äußerst dürftige sein; keinesfalls entsprechen sie dem
Aufwand von polizeilicher und ärztlicher Arbeit, die der Reglementierung
gewidmet wird, und dem umfangreichen Beamtenapparat,
der heute mit dieser Ueberwachung beschäftigt istl"
In seinem tapferen Buche über „die sexuelle Frage" hat der bekannte
Psychiater Professor August Forel ein geradezu vernichtendes
Urteil über die polizeiliche Ueberwachung der Prostitution gefällt.
Durch dieses System wollte man den Männern angeblich einen gesunden
und ungefährlichen Beischlaf verschaffen. „Tatsächlich aber
werden durch das ganze Regulierungssystcm die venerischen Krankheiten
in keiner Weise erfolgreich bekäinpft oder auch nur nachweisbar
vermindert. Die trügerische Sicherheit, die den Männern gegeben
ioird, macht sie unvorsichtiger. . . ."
Mit derbem aber verdientem Spott hat sich einmal Dr. med.
Wilhelm Hammer, der sich als früherer erster Hülfsarzt der Frauenkrankenstation
im Berliner städtischen Obdach leicht ein zutreffendes
Urteil über den Wert oder Unwert der Dirnenkontrolle bilden konnte,
über diese Kontrolle geäußert: „Die Dirnenkontrolle frei wohnender
Dirnen mit den Beschränkungen der Berliner Sittenpolizei
gewährt eine nahezu 'vollständige Sicherheit dafür, daß Gast und
Mädchen erkranken. Die Abschaffung der polizeilichen Kontrolle