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verkehrs und auch für Antwerpen keine Möglichkeit bestand, die
neue Freiheit sogleich mit ganzer Kraft auszunutzen!). Überdies
hatten die Antwerpener Kaufleute im Laufe der Zeit allen Unter-
nehmungsgeist eingebüßt ; es bedurfte daselbst erst der Schaffung eines
großen Handelsmarktes; auch fehlte es an Kapital?). An der
Tatsache war jedoch nicht zu rütteln, daß von jetzt ab Amsterdam
und Rotterdam mit der Konkurrenz der Scheldestadt zu rechnen
hatten und daß voraussichtlich sich diese in absehbarer Zeit wirk-
sam geltend machen mußte. Einen Schadensersatz für die Öffnung
der Schelde, wie Holland ihn von Frankreich erwartet hatte, erhielt
es natürlich nicht®).
Mit der Befreiung der Schelde und der Besetzung des Landes
durch die Franzosen 1795 bis zum Sturze Napoleons begann der
ununterbrochene Leidensweg; der reich an. Ver-
suchen und Projekten, an Ansätzen zur Einleitung einer neuen
Wirtschaftspolitik, arm aber an Ergebnissen war; selbst wo solche
zu verzeichnen waren, handelte es sich meist um Mißgeburten.
Die mehrfach wechselnden Regierungen der Batavischen Republik
erkannten wohl den elenden Zustand, in dem sie sich befand; sie
machten Pläne für eine Vereinfachung der Verwaltung, des Steuer-
wesens, der Finanzen. Dem Handel und Gewerbe konnten sie wenig
nützen, da diese in voller Abhängigkeit von den politischen Zustän-
den waren. Die Hoffnung der Batavischen Republik, daß man ihr
in diesen Wirren die Neutralität bewilligen würde, eine Hoffnung,
wie sie früher und später Handelsrepubliken in solchen Lagen
stets zu hegen pflegten, versagte völlig‘). Für Bonaparte
waren die Niederlande ein wertvolles Werkzeug in seinem Kampfe
gegen England. Selbst an einen Handels- und Schiffahrtsvertrag
zwischen Frankreich und der Batavischen Republik hat man 1799
1) Mit 2424 eingelaufenen Schiffen erreichte Antwerpen 1805 den Höhepunkt
seines Seeverkehrs; dann sank er schnell und unaufhaltsam; Ostende ging es ähnlich
(Waentig, S. 137); in den Jahren 1795—1799 hatte dieser Seeverkehr sich
nur auf 2, 4, 2, 8 Schiffe belaufen (Deiss, S. 23).
„2 Vgl. Nemnich, Über die Frage usw.,.S. ı9 ff., 27 ff... Ebendort
S. 35 wird berichtet, daß die Holländer Bonaparte 3o Mill. fl. angeboten
hätten, wenn er die freie Schiffahrt der Schelde noch nicht zulasse.
3) Vgl. Colenbrander, Gedenkstukken, IV, 373.
‘ Colenbrander, Napoleon en Nederland, S. 116f.; Ders., Ge-
denkstukken, IV, 415.
vd