Full text: Die Entwicklung der Berliner Vorortgemeinde Kleinschönebeck-Fichtenau unter besonderer Berücksichtigung der Finanzen

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Schauplatz seiner Jugeudfreuden wurde Ottos Sohn bewogen, die 
ganze Herrschaft an Friedrich I. zu verkaufen, was unter dem 9. Sept. 
1708 geschah"?) Von nun an blieb Kleinschönebeck eine zum Amte 
Altlandsberg gehörige Domäne. 
Die Bauern waren durchaus persönlich, allerdings nicht „schöffenbar" 
freie Leute und hatten ihr Land in erblichem Besitz, etwa in der Art 
von Erbzinsgüteru; auch konnten sie ihre Güter veräußern. Die auf 
den Gütern ruhenden mäßigen Lasten waren vornehmlich Pacht, Zins, 
Bede an den Grundherrn und das Meßkorn. Die Pacht wurde in 
Getreide, der Zins in Geld abgetragen. 
Forni, Inhalt und Zahl der Verpflichtungen der Ortseinwohner 
veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte; ebenso wechselten durch 
Verkauf und Verpfändung die Hebeberechtigten. Es kamen die 
Befreiungen von Lasten und Ablösungen, die in der Geschichte genugsam 
bekannt und in ihren Sonderheiten aus der Spezialliteratur zu ersehen 
sind. Die örtliche Entwicklung wies keine ins Gewicht fallenden Ab 
weichungen von der anderer märkischer Ortschaften auf, bis sich die 
Sachlage in neuerer Zeit änderte. 
Die siegreichen Kriege von 1864, 1866, 1870/71 waren vorüber, 
die Hauptstadt des nunmehr einigen Deutschen Reiches war in unge 
ahnter Weise emporgeblüht und eine Weltstadt geworden. Gärten und 
Felder waren den Mietskasernen gewichen, und die Sehnsucht nach Wald, 
nach frischer Luft trieb die eingepferchten Berliner immer weiter hinaus. 
Es begannen die sonntäglichen Kremserfahrten, die schließlich auch die 
Ausflügler nach dem stillen Kleinschönebeck führten. Durch diese sonn 
täglichen, bald auch mit der Bahn ausgeführten Besuche fand es sich,, 
daß Sommergäste sich für den ganzen Sommer einmieteten * 2 ), in dem 
wundervollen alten Dorfe mi> seiner Dorfane und altem Baumbestand 
Erholung vom aufreibenden Großstadtleben suchten und fanden. 
2. Kolonie Fichtenau. 
Die Folge dieser Ausflüge war, daß sich auch in der weiteren 
Umgegend Berlins die Kinder der Großstadt ansiedelten, um auf eigener 
Scholle den Sommer in stiller Zurückgezogenheit zu verbringen, ohne 
doch dem Felde ihrer Tätigkeit allzu entfernt zu sein oder die Vorzüge 
einer großen Stadt ganz zu entbehren. Andere wiederum nahmen 
ihren ständigen Wohnsitz abseits vom großstädtischen Betriebe, Pen 
sionäre, die hier ihren Lebensabend zu verbringen gedachten, Beamte, 
Kaufleute, die um ihrer Familie willen oder der eigenen Gesundheit 
9 v. Berghaus, Landbuch d. Mark Brandenburg II S. 408. 
*) Schulchronik von Kleinschönebeck: Der Schule wurde au diesem Tage 
2. Sept. 1.835) von den diesjährigen Sommergästen eine neue Schulfahne geschenkt..
	        
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