Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

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I.  Geschäftliche  Versicherung.

Interessant  ist  an  den  Zahlen  vorstehender  Tabelle  auch  die  Tat-'
fache,  daß  es  offenbar  gerade  die  Wohlhabenderen  unseres  Volkes  sind^
die  sich  an  ausländische  Gesellschaften  wenden.
Überhaupt  können  aus  jenen  Zahlen  wichtige  Schlüsse  darauf  gezogen ­
  werden,  welchen  Teilen  der  Bevölkerung  diejenigen  Personen  angehören, ­
  die  sich  der  Lebensversicherung  bedienen.
Stand  der  Versicherungsnehmer.
Bei  der  Volksversicherung  und  sonstigen  kleinen  Kapitalversicherung,
ist  es  ohne  weiteres  klar,  daß  sie  ihr  Publikum  unter  den  Minderbemittelten ­
  und  besonders  unter  der  Arbeiterbevölkerung  suchen  und
finden.  Die  ausfällig  niedrigen  Durchschnittssummen  in  der  großen
Lebensversicherung  und  in  der  Rentenversicherung  erweisen  aber,  namentlich ­
  wenn  man  berücksichtigt,  daß  die  weitaus  größte  Zahl  der  Versicherungen ­
  noch  mehr  oder  weniger  erheblich  hinter  dem  Durchschnitt
zurückbleiben  muß,  ebenso  unzweifelhaft,  daß  auch  diese  Versicherungszweige ­
  vorzugsweise  nicht  mit  den  wohlhabenden  Bevölkerungsfchichten
arbeiten,  sondern  mit  solchen  Kreisen,  in  deren  Jahreshaushalt  die  Versicherungsprämie ­
  einen  wesentlichen  Posten  ausmacht,  der  nur  durch
Ersparnisse  an  anderen,  schwer  einzuschränkenden  Ausgaben  erschwingbar
wird.  Für  die  Vermögens-  und  Einkommensverhältnisse  der  Versicherten
fehlen  begreiflicherweise  alle  Unterlagen,  und  die  Behauptung  kann  daher
nicht  durch  Zahlen  belegt  werden.  Für  ihre  Richtigkeit  spricht  aber  auch
die  Tatsache,  daß  z.  B.  in  der  großen  Todesfallversicherung  die  Durch
fchnittsjahresprämie  nur  150—160  Mk.  beträgt.  —  Ende  1909  lauteten
bei  14  Gesellschaften,  die  darüber  in  ihren  Rechenschaftsberichten  Angaben
machen,  in  der  großen  Todesfallversicherung  62  o/o  aller  Policen  über
Beträge  bis  zu  3000  Mk.  und  940/o  über  Beträge  bis  zu  10  000  Mk.
Selbst  bei  der  Gesellschaft,  die  mit  9237  Mk.  die  höchste  Durchschnittsversicherungssumme ­
  aufwies,  waren  33,7  °/o  der  Mitglieder  mit  nur
höchstens  3000  Mk.  und  82  °lo  mit  nur  höchstens  10  000  Mk.  versichert ­
  st
Für  unsere  Untersuchungen  wäre  es  von  großer  Wichtigkeit,  wenn
noch  eine  weitere,  mehr  ins  einzelne  gehende  Gliederung  der  Versicherten
nach  Stadt-  und  Landbevölkerung,  nach  Beruf,  Geschlecht  und  Lebensalter ­
  vorgenommen  werden  könnte.  Leider  fehlt  es  hier  vollkommen  an
1  Zeitschrift  für  Versicherungswesen  1911  S.  173.
            
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