Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

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I.  Geschäftliche  Versicherung.

Gebäude  oft  weit  übertrifft,  bedarf  als  solcher  überhaupt  keiner  Pflege,
ist  also  einer  Entwertung  infolge  persönlicher  Untüchtigkeit  nicht  ausgesetzt. ­
  Die  Gefahr  der  Entwertung  ländlicher  Grundstücke  und  zwar
nicht  nur  einzelner,  sondern  der  großen  Masse  ist  ferner  in  unserer  Zollpolitik ­
  begründet.  Der  Getreidezoll  hat  den  Ertragswert  künstlich  hinaufgetrieben; ­
  Ermäßigungen  oder  Wegfall  des  Zolles  würden  einen  allgemeinen ­
  Sturz  des  Preises  der  viel  Getreide  bauenden  Güter  zur  Folge
haben.  Wenn  diese  Wahrscheinlichkeit  auch  für  absehbare  Zeit  nicht  groß
ist,  so  ist  ihr  doch  ein  guter  Grund  für  die  Zurückhaltung  der  Gesellschaften ­
  auf  dem  ländlichen  Hypothekenmarkt  zu  entnehmen.  Diese
Schwierigkeiten  und  Bedenken  lassen  sich  aber  überwinden,  und  ein
großer  Teil  der  Versicherungsgesellschaften  würde  gern  bereit  sein,  das
Geschäft  in  ländlichen  Hypotheken  mehr  zu  pflegen,  wenn  es  ihnen  nicht
durch  die  öffentlich-rechtlichen  Kreditinstitute  mit  ihren  vorteilhafteren  Bedingungen, ­
  die  andere  Institute  nicht  zu  bieten  imstande  sind,  unmöglich
gemacht  würde.  Die  Gothaer  Lebensversicherungsbank  z.  B.  wird  ganz
gegen  ihren  Willen  mehr  und  mehr  vom  Markte  ländlicher  Hypotheken
verdrängt.
Sowohl  die  für  Ende  1907  und  1909  nachgewiesenen  Bestände  an
Deckungshypotheken  als  auch  die  jährlichen  Neubeleihungen  entfallen  der
Summe  nach  zu  fast  sechs  Zehnteln  auf  Berlin  und  seine  Vororte.  Das
hat  verschiedene  Gründe.  Groß  -  Berlin  hat  infolge  seiner  Größe  und
seines  unaufhörlichen  starken  Wachstums  unter  den  deutschen  Städten
den  größten  Bedarf  an  Hypothekengcldern  und  den  regsten  Grundstücksund ­
  Hypothekenmarkt  mit  entsprechend  hoch  entwickelter  Beleihungstechnik.
Berlin  ist  ferner  der  Sitz  zahlreicher,  zum  Teil  großer  Lebeusversicherungsgesellschaften
  und  mehrerer  Versicherungseinrichtungen  von  Berufsvereinigungen, ­
  die  naturgemäß  für  die  Unterbringung  ihrer  Hypothekengelder
den  von  ihnen  leicht  zu  übersehenden  und  kontrollierenden  Berliner  Markt
bevorzugen'.  Berlin  und  seine  Vororte  sind  schließlich  für  Hypothekengclder
  besonders  aufnahmefähig,  weil  dort  die  Grundstückspreise  eine
außerordentliche  Höhe  haben.  In  Berlin  sind  daher  die  Beleihungen
im  Durchschnitt  auch  erheblich  höher  als  anderwärts.  Die  nach  Berlin
oder  seinen  Vororten  gegebenen  Hypothekendarlehen  hatten  1909  eine
durchschnittliche  Höhe  von  186  800  Mk.,  während  sich  der  Gesanit-'
  1909  hatten  neun  Berliner  Lebensversichernngsanstalten  HypothekenforderungeN
von  1096124  Mk.  oder  29,92%  des  Gesamthypothekcnbestandcs  der  Aktien-  und
Gegenseitigkeitsgesellschaften.
            
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