Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  Organisation  des  britischen  Weltreichs.

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wurde  ein  Vergleich  geschlossen,  der  zwar  das  Programm  der  Vorzugszölle ­
  enthält,  zurzeit  aber  von  Vorzugszöllen  auf  Lebensmittel
absieht.  Damit  ist  für  den  Augenblick  die  Einführung  von  Vorzugszöllen ­
  auf  koloniale  Produkte  aussichtslos  geworden,  selbst  wenn
die  konservative  Partei  ans  Ruder  kommen  sollte.  Die  Forderung
nach  Tarifreform  und  Reichsvorzugszöllen  ist  beibehalten  worden;
sie  könnte  aber  zurzeit  nur  in  der  Form  einer  industriellen  Schutzzollpolitik ­
  verwirklicht  werden.  An  einer  solchen  hat  natürlich  die
englische  Landwirtschaft  kein  Interesse;  sie  könnte  auch  den  Tochtervölkern ­
  nicht  viel  bieten.  Von  24  Mill.  £,  die  Kanada  1911  ins  Mutterland ­
  einführte,  waren  nur  4,8  o/ 0  Fabrikate;  von  den  26  Mill.  £
Australiens  6,9  o/ 0  und  von  den  15  Mill.  £  Neuseelands  gar  nur  0,3  o/o'.
Eine  Bevorzugung  dieser  Waren  würde  den  Kolonien  wenig  Nutzen
bringen.
So  scheint  zurzeit  der  Versuch,  durch  eine  Politik  der  Vorzugszölle ­
  das  Reich  enger  zu  verbinden,  gescheitert.  Es  sind  vor  allem  die
folgenden  Tatsachenreihen  gewesen,  die  seinen  Mißerfolg  herbeigeführt ­
  haben.
Die  Behauptung,  eine  Umgestaltung  des  britischen  Zollsystems
sei  nötig,  da  nur  durch  eine  solche  die  notwendige  Steigerung  der
Staatseinnahmen  erfolgen  könne,  hat  sich  als  unrichtig  erwiesen.
Die  Einnahmen,  die  vor  dem  Burenkriege  106  Mill.  £  betragen  haben,
sind  1912/1913  auf  189  Mill.  £  gestiegen.
Überdies  ist  die  Entwicklung  des  englischen  Außenhandels  über
alle  Maßen  günstig  gewesen.  Der  allmähliche  Rückgang,  der  1903
vorausgesagt  worden  war,  ist  nicht  eingetreten.  Die  Ausfuhr
britischer  Waren  ist  vielmehr  von
280  Mill.  £  1901  auf
330  „  „  1905,
454  „  „  1911  und
487  „  „1912
gestiegen.  Die  Ausfuhr  von  Fabrikaten  ist  von  228  Mill.  £  auf
275  Mill.  £,  362  Mill.  £  und  385  Mill.  £  gewachsen.
Zugleich  sind  die  Fortschritte  der  Kolonien,  vor  allem  Kanadas,
über  alles  Erwarten  glänzend  gewesen.  Es  hat  keines  künstlichen  Ansporns ­
  bedurft,  um  z.  B.  die  kanadische  Landwirtschaft  zu  entwickeln.
Die  kanadische  Weizenproduktion  ist  von  48  Mill.  Bushel  (1900)  auf
150  Mill.  Bushel  1910  gestiegen;  von  20  Mill.  Bushel,  die  ausgeführt
Veröffentlichungen  der  Handelshochschule  München.  I.  Heft.  8
            
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