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Dr. M. J. Bonn.
bandes betrachtet, der kein Abhängigkeitsverhältnis, sondern ein
Teilhaberschaftsverhältnis zwischen Muttervolk und Tochtervolk
darstellen soll. Es bedeutet also der Zusammenschluß des Mutterlandes
mit seinen Kolonien, den dieser Imperialismus erstrebt, nicht
eine Zusammenfassung des in alle Welt verstreuten, britischen
Volkstums auf Grundlage der britischen Nationalität. Er bezweckt
vielmehr die Schaffung einer Reichsgemeinschaft, in der Raum für
andere, vollberechtigte Nationalitäten ist. An Stelle der einseitigen
Betonung der eigenen Nationalität, wie sie der ausbreitungslustige
Imperialismus vornimmt, der leere Räume zur Ausfüllung mit den
eigenen Volksgenossen besetzen will, und damit eine geographische
Ausdehnung des eigenen Volkstums erstrebt, tritt hier eine über die
Nationalität hinausgehende, die Völker zusammenschließende Bewegung.
Dieser Imperialismus ist nicht länger gleichbedeutend mit
«Nationalismus».
II.
Als die Vereinigten Staaten im Jahre 18Q8 Spanien den Krieg erklärten,
waren sie nicht von dem Bestreben geleitet, neue Gebiete
für sich zu erwerben. Die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung
war vielmehr von der Überzeugung durchdrungen, daß die Erwerbung
überseeischer Besitzungen ein Übel sei, das ein gütiges
Geschick der Union erspart habe. Der Zweck des Krieges war die
Beseitigung der spanischen Herrschaft in Kuba, die dort zu fortwährenden
Aufständen und Revolutionen geführt hatte. Kuba sollte
die Freiheit gegeben und so Raum für die wirtschaftliche Entwicklung
der zahlreichen kubanischen und amerikanischen Interessen geschaffen
werden, die die spanische Herrschaft bis dahin verhindert
hatte. Es sollte ein Befreiungskrieg, kein Eroberungskrieg sein. Das
Ergebnis des Krieges war aber, daß die Vereinigten Staaten Spanien
nicht nur aus Kuba, sondern auch aus den Philippinen vertrieben. Sie
gaben zwar Kuba eine republikanische Verfassung; sie vermochten
aber nicht, sich aus den Philippinen zurückzuziehen, denn eine
mächtige Bewegung, die sich selbst als die «Imperialistische» bezeichnete,
zwang sie, die neu erworbenen Gebiete zu behalten. So
wurden Portorico und nach langen Kämpfen mit den Eingeborenen
die Philippinen amerikanische Kolonien.
Die Gedankengänge dieses amerikanischen Imperialismus waren