Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  englische  Industrie.

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Voraussetzungen.  Im  Gegensätze  zu  anderen  Ländern  hat  ja  England ­
  seine  wirtschaftliche  und  politische  Freiheit  in  schweren  harten
Kämpfen  erobert.  Ausgehend  von  gewissen  religiös-ethischen  Voraussetzungen ­
  und  genährt  durch  den  Haß  gegen  die  Übergriffe  eines
die  Traditionen  nicht  respektierenden  Königtums,  ist  in  England  der
Gedanke  der  individuellen  Freiheit  zu  ungewöhnlicher  Entfaltung
gelangt.  Mit  besonderer  Abneigung  bedachte  das  aufkommende
Bürgertum  die  monopolistischen  Privilegien,  die  im  16.  und  17.  Jahrhundert ­
  an  einzelne  Kapitalisten  verkauft  oder  an  die  Günstlinge
der  Könige  und  der  jungfräulichen  Königin  verschenkt  wurden.
Die  klassische  Nationalökonomie,  die  die  wirtschaftliche  Schädlichkeit ­
  solcher  Monopolien  zu  erweisen  suchte,  kam  damit  nur  der  gefühlsmäßigen ­
  Antipathie  des  Volkes  entgegen.  Mit  der  Zeit  waren
die  englischen  Unternehmer  in  gleicher  Weise  überzeugt,  daß  monopolistische ­
  Verabredungen  auf  die  Dauer  für  sie  selbst  schädlich
seien,  wie  die  Konsumenten  sie  für  nachteilig  für  sich  erachteten.
Dazu  kommt,  daß  der  mittlere  Kapitalist,  der,  wie  wir  sahen,  in
der  englischen  Industrie  vorherrscht,  überhaupt  das  Individualistischste ­
  auf  wirtschaftlichem  Gebiete  darstellt,  was  es  neben  dem
mittleren  Bauern  in  der  Welt  gibt.  Er  ist  zu  groß,  um  typischgenossenschaftlichen ­
  Sinn  zu  haben,  und  zu  klein,  um  wie  ein  Thyssen
und  Stinnes,  ein  Rockefeller  und  Carnegie  die  große  zusammenfassende ­
  Organisation  als  Betätigungsfeld  seines  Machtstrebens  anzusehen. ­

Aber  auch  die  objektiven  Vorbedingungen  sind  für  eine  semimonopolistische ­
  Organisation  der  Industrie  im  ganzen  wenig  geeignet. ­
  England  ist  bekanntlich  seit  der  Mitte  des  Jahrhunderts  absolutes ­
  Freihandelsland.  Die  Produkte  aller  konkurrierenden
Industriestaaten  kommen  ohne  Zoll  auf  den  britischen  Markt.  Als
eine  schmale  Insel,  deren  zentralste  Punkte  nur  zwei  bis  dreihundert
Kilometer  von  der  Küste  entfernt  sind,  gibt  es  für  die  meisten  Produkte, ­
  trotz  der  hohen  Frachtsätze  der  englischen  Bahnen,  keinen
wesentlichen  Frachtschutz.  Und  zwar  gilt  dies  für  die  Konkurrenz
der  verschiedenen  englischen  Industriebezirke  in  gleichem  Maße  wie
für  die  mit  dem  Auslande.  Das  rheinisch-westfälische  Kohlensyndikat
kann  ohne  Zollschutz  seine  Preise  in  weitgehendem  Maße  autonom
festsetzen,  da  die  Frachtdifferenz  zwischen  ihm  und  den  übrigen
Revieren  Deutschlands  und  des  Auslandes  an  den  meisten  Punkten
            
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