Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

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Dr.  M  J.  Bonn.

sprünglich  nicht  auf  irgendeiner  Gemeinschaft  in  Herkunft  und
Lebenszwecken  zwischen  Herrschern  und  Beherrschten,  sondern  auf
der  überlegenen  Macht  des  Eroberers,  der  zwar  diese  Gebiete  im
Interesse  ihrer  Bewohner  mit  einer  Handvoll  europäischer  Beamten
zu  regieren  trachtet,  aber  letzten  Endes  doch  seine  Herrschaft  auf
seine  Truppen  stützt.
Im  schroffen  Gegensatz  hierzu  stehen  die  Gebiete,  die  die  Europäer
als  leere  Räume  betrachteten  oder  durch  Vernichtung  und  Rückdrängung
  der  Eingeborenen  in  solche  verwandelten,  um  sie  mit  auswandernden ­
  Massen  zu  besiedeln.  In  diesen  leeren  Räumen  sind  Gemeinwesen ­
  entstanden,  die  man  trotz  fremdländischer  Beimischung,
trotz  der  Franzosen  in  Kanada  und  der  Buren  in  Südafrika,  als
«Tochtervölker»  bezeichnen  kann.  Ihnen  gegenüber  beruht  die  Herrschaft, ­
  die  das  Mutterland  ausübt,  nicht  auf  Gewalt,  sondern  in
letzter  Linie  auf  dem  Gefühl  einer  durch  Wesensart  und  Interessengemeinschaft ­
  bedingten  Zusammengehörigkeit.  Dieses  «zweite
Reich»  umfaßt  die  Herrschaft  Kanada  (Dominion  of  Canada),  Neufundland ­
  und  Labrador;  das  australische  Gemeinwesen  (Commonwealth ­
  of  Australia),  bestehend  aus  den  sechs  australischen  Festlandsstaaten, ­
  die  «Herrschaft»  Neuseeland  (Dominion  of  New  Zealand)
  und  den  Bund  von  Südafrika,  die  Kapkolonie,  Natal,  die  Oranjekolonie ­
  und  Transvaal  umfassend.
Diese  Gebiete  haben  zusammen  eine  Ausdehnung  von  19  Mill.  qkm
und  eine  Bevölkerung  von  18,7  Mill.  Köpfen.  Sie  verdanken  ihren
Ursprung  nicht  ausschließlich  der  friedlichen  Besiedlung.  Kanada
sowohl  wie  Südafrika  sind  durch  Eroberung  dem  britischen  Mutterland ­
  einverleibt  worden,  dessen  Herrschaft  hier  an  Stelle  des  französischen, ­
  dort  an  die  des  holländischen  Vorgängers  getreten  ist.
Überdies  stellen  nicht  alle  diese  Gemeinwesen  reine  Tochtervölker
dar,  die  sich  ohne  Kämpfe  mit  Eingeborenen  in  leeren  Räumen  hätten
entwickeln  können.  In  Kanada,  in  Neufundland  und  im  australischen
Bund  spielt  zwar  die  eingeborene  Bevölkerung  keine  Rolle.  Die
110  597  Indianer  und  die  19  939  australischen  Eingeborenen,  ausschließlich ­
  Papua’s  (Neuguinea),  fallen  nicht  ins  Gewicht.  Dagegen
weist  bereits  Neuseeland  eine  farbige  Bevölkerung  von  über
60  000  Köpfen  gegenüber  einer  weißen  Bevölkerung  von  1  Million  auf;
seine  50  000  Maoris  spielen  selbst  in  seinem  Verfassungsleben  eine
Rolle,  da  ihnen  von  80  Abgeordnetensitzen  4  Vorbehalten  sind.
            
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