Object: Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

56 
B. Läßt sich eine weitere Beschränkung der Arbeitszeit für 
Arbeiterinnen ohne ernstliche Gefährdung der Konserven 
industrie überhaupt durchführen? 
Wie in dem Vorhergegangenen schon wiederholt nachgewiesen 
wurde, lassen die inneren und äußeren Verhältnisse der deutschen 
Konservenindustrie nicht nur keine weitere Einengung der für Ar 
beiterinnen freigelassenen Zeit ohne erhebliche Schädigung dieser 
Industrie zu, sondern erfordern im Gegenteil mit Dringlichkeit eine 
entsprechende größere Bewegungsfreiheit. Bei der Regulierung der 
Arbeitszeit ist doch wohl ein erheblicher Unterschied zu machen, 
welcher Art die Arbeit ist, ob diese dauernd oder nur in beschränkten 
Zeitabschnitten geleistet wird, ob sie nach der Natur ihres Rohpro 
duktes und ihrer Verarbeitung den gesetzlichen Maßnahmen sich über 
haupt anzupassen vermag, oder wie in der Konservenindustrie in so 
unmittelbarer Abhängigkeit von ihren Rohstoffen steht, daß sie gar 
nicht in der Lage ist, sich in ein allgemeines Schema einzuordnen. 
Die Konservenindustrie kann eine mechanische gleichmäßige Behand 
lung, wie sie für Spinnereien, Webereien und ähnliche Industrie 
zweige durchführbar ist, nicht vertragen, weil auch die Natur, welche 
dieser Industrie die Rohprodukte schafft, nicht gleichmäßig produ 
ziert. Wenn die Sonne über der Spargelplantage einige Tage hin 
durch die Pflanzen im raschen Wachstum aus der Erde hervorsprießen 
läßt, müssen alle vorhandenen Arbeitskräfte eilends die Pflanzen 
bergen und die Ernte muß ebenso eilends durch Zusammenwirken 
aller verfügbaren Kräfte geschält, blanchiert, gekocht, eingelötet 
werden. In solcher Zeit Einhalt gebieten wollen, wäre genau das 
selbe, wie wenn man dem Landwirt gebieten wollte, wann und wie 
er sein Getreide oder Heu bergen soll, und doch verträgt die Ab- 
erntung von Getreide usw. noch eher eine Verschiebung auf den 
nächsten Tag, als der Spargel oder die Erbse, die wertlos wird, wenn 
man sie nicht rasch verarbeitet. 
Hiergegen hilft - aber kein Aushilfsmittel, welches sonst viel 
leicht bei anderen Industrieen möglich ist, wie z. B. eine Vermehrung 
der Hilfskräfte, und zwar schon deshalb nicht, weil solche Hilfskräfte 
für bestimmte einzelne Tage oder Wochen im Jahre gar nicht zu 
haben sind, und selbst wenn sie vorhanden wären, noch nicht gleich 
eingeschult sind. Der Ausgleich kann auch nicht etwa durch Mehr 
einstellung männlicher Hilfskräfte erfolgen, denn das Vorbereiten der 
Gemüse ist eben eine spezifisch weibliche Arbeitsleistung, für die 
Männer überhaupt nicht zu gewinnen sind.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.