Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  Organisation  des  britischen  Weltreichs.

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Gebiete  ohne  Landgrenze,  wie  Australien,  bedurften  keiner
Rüstungen  gegen  einen  europäischen  Feind;  sie  konnten  leicht  die
Mittel  aufbringen,  um  die  innere  Ordnung  aufrechtzuhalten.  Auf
der  anderen  Seite  besaß  Kanada  zwar  eine  Landgrenze,  ein  Konflikt ­
  zwischen  Kanada  und  den  Vereinigten  Staaten  war  aber  nur  als
Folge  eines  englisch-amerikanischen  Konfliktes  wahrscheinlich,  daher ­
  die  Kosten  der  Verteidigung  als  «Reichssache»  zu  betrachten
waren.  Erst  seitdem  Kanada  ein  eigenes  kanadisches  Nationalgefühl
entwickelt  hat  und  eine  kanadische  Nation  entstanden  ist,  die  vielleicht ­
  einmal  selbständig  werden  möchte,  aber  keinesfalls  daran
denkt,  einem  Konflikt  mit  den  Vereinigten  Staaten  durch  Verschmelzung ­
  mit  diesen  aus  dem  Wege  zu  gehen,  ist  Kanada  selbst
an  der  Unverletzlichkeit  des  kanadischen  Gebietes  in  erster  Linie
interessiert.
Die  eigentliche  Schwierigkeit  in  der  Frage  der  kolonialen  Verteidigung ­
  lag  in  Ländern  wie  Westindien  oder  Südafrika,  wo  eine
weiße  Oberschicht  nicht  stark  genug  war,  die  innere  Ordnung  aufrechtzuhalten, ­
  oder  eine  Kolonistenmiliz  nicht  imstande  ist,  die  eingeborenen ­
  Grenzvölker  abzuwehren  oder  zu  beherrschen.  Hier  hat
das  Mutterland  oft  die  Besoldung  der  Garnisonen  übernehmen  oder
die  Kosten  der  Grenzkriege  tragen  müssen.  Das  Mutterland  hat
daher  das  ganze  neunzehnte  Jahrhundert  hindurch  die  Ausdehnung
der  kolonialen  Grenzen  in  solchen  Ländern  möglichst  einzuschränken
gesucht.  Es  wollte  seine  Bürde  nicht  vermehren,  da  es  klar  erkannte, ­
  daß  die  Kolonien  trotz  allen  Drangs  zur  Ausbreitung  nur
eine  beschränkte  Leistungskraft  besaßen.  Südwestafrika  z.  B.  konnte
nur  deutsches  Gebiet  werden,  weil  das  Mutterland  einer  Angliederung ­
  an  die  Kapkolonie  nur  dann  zustimmen  wollte,  wenn  es  selbst
von  allen  daraus  entstehenden  Unkosten  verschont  bleiben  würde.
Aus  ähnlichen  Erwägungen  heraus  hat  es  die  Einführung  der  Selbstverwaltung ­
  in  verhältnismäßig  kleinen  Kolonien  begünstigt,  weil  es
so  die  finanzielle  Verantwortlichkeit  für  koloniale  Ausbreitungsbestrebungen ­
  bis  zu  einem  gewissen  Grade  abzuwälzen  hoffte.
Mit  dieser  Politik  ist  es  bis  heute  nicht  völlig  erfolgreich  gewesen.
Australien,  Neuseeland,  Kanada  und  Neufundland  bedürfen  heute
keiner  Reichstruppen  mehr;  Gebiete  wie  Südafrika  werden  bei
großen  Eingeborenenbewegungen  auf  die  Hilfe  des  Mutterlandes
kaum  verzichten  können.
            
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