VI
Einführung
Kampf mit der Not der Gegenwart und für den sozialen Dienst der
Liebe zu leisten imstande sei. Dabei hat sie einerseits auf ihre Eigen-
art sich von neuem besonnen, andererseits aber sich den Gesichts-
punkten der heutigen Wohlfahrtspflege nicht verschlossen. Die Wohl-
fahrtspflege unterscheidet geschlossene, halboffene und offene Fürsorge
und ferner Gesundheits-, Erziehungs- und Wirtschafts-Fürsorge, Es
erschien gewiesen, unter diesen Gesichtspunkten die Arbeit der evan-
gelischen Liebestätigkeit statistisch zu erfassen.
In dem vorliegenden Band bringen wir zunächst eine Uebersicht über
die geschlossene Fürsorge. Allerdings schien uns der Name
„geschlossene Fürsorge“ nicht ganz bezeichnend für das.zu sein, was
dieser Band bietet. Es handelt sich in ihm um die Arbeit in den An-
stalten mit Betten, d. h. denjenigen, die ihren Insassen Tag und Nacht
Aufenthalt gewähren, Diese Anstalten der Inneren Mission dienen
aber keineswegs nur dem, was man geschlossene Fürsorge nennt. Sie
tun. es_zum großen Teil, aber nicht ausschließlich. Anstalten wie
Bethel, die Kückenmühler Anstalten, Hephata bei Treysa, Lindenhof
bei Neinstedt oder das Johannesstift in Spandau — um nur einige
wenige‘ zu nennen —, können keineswegs nur unter‘ dem Gesichts-
punkte der sogenannten „geschlossenen“ Fürsorge betrachtet werden,
sondern sie sind Mittelpunkte und Quellorte für das gesamte Leben
der Inneren Mission, ja für das gesamte kirchliche Leben, und haben
eine Bedeutung, die über die geschlossene Fürsorge weit hinausgeht.
Vor allen Dingen handelt es sich dabei um diejenigen Anstalten, die
das Wertvollste sammeln, erziehen und hinaussenden, was die Wohl-
fahrtspflege überhaupt hat: die persönlichen Kräfte, also in erster
Linie um die Mutterhäuser, Brüderhäuser und ähnliche Anstalten.
Daher erschien es uns sachgemäßer, den Inhalt des vorliegenden
Buches mit dem Wort „Anstaltsarbe.iit“ anzugeben und’ die Be-
zeichnung „geschlossene Fürsorge“ als Untertitel hinzuzufügen...
Wie dargelegt, kommen unsere großen Anstalten, nicht nur als
Fürsorgestätten, sondern ebenso sehr .als Ausbildungsstätten und
Keimzellen für die Liebestätigkeit in Betracht. Aus diesem Grunde
steht der erste Abschnitt des Buches unter der Ueberschrift:
„Diakonissen-Mutterhäuser, Heimathäuser für Schwestern, Diakonen-
Anstalten, Ausbildungsstätten. Bei diesem Abschnitt leitete uns ferner
der Gedanke, die großen Anstalten der Inneren Mission als das zur
Darstellung zu bringen, was sie fast alle sind: Anstalts,
komplexe oder Anstaltssysteme. Man würde ihnen
Unrecht tun, wenn man sie lediglich unter .den Rubriken Ge-
sundheits-, Erziehungs- und Wirtschaftsfürsorge. gruppierte; viel-
mehr kommt erst in einer Zusammenstellung der ganzen in